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12000 km durch Down Under (Seite 2)
Reisebericht von Peter M. Müller


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Die Besiedlung Australiens

Der Zeitpunkt der ersten Besiedlung ist nicht geklärt. Fest steht, daß die ersten Einwanderer vor 45000 bis 50000 Jahren aus Südostasien kamen. Die Besiedlung des Kontinents erfolgte in mehreren Wellen. Vor 10000 Jahren lag, durch die damalige Eiszeit bedingt, der Meeresspiegel etwas 100 bis 200 m tiefer als heute, Neuguinea und Tasmanien waren noch mit dem Festland verbunden. Über eine Kette von Inseln zwischen dem asiatischen und dem australischen Kontinent wanderten die Ureinwohner ein. Hierzu mußten von ihnen Meeresstraßen von bis zu 100 km Breite zwischen den einzelnen Inseln überwunden werden. Vermutlich wurden die Ureinwohner mit Flößen durch Meeresströmungen an das australische Festland getrieben. Die Ureinwohner teilten sich in mehrere hundert Stämme auf, die als Nomaden das Land durchstreiften. Mit dem Ende der Eiszeit stieg der Meeresspiegel an und Australien wurde wieder isoliert.
Die zu den aktivsten Seefahrern Ostindiens zählenden Buginesen besuchten seit dem 16. Jahrhundert von Suawesi (ehemals Celebes) aus regelmäßig das an der Nordküste gelegene Arnhemland auf. Ziel dieser Reisen waren Seegurken (Holothuroidae), eine schon damals von Chinesen begehrte Delikatesse.

Am 28. April 1770 landeten die ersten Europäer in Australien. Bereits im Altertum gab es in Europa die Vermutung um die Existenz des „Südlandes“, dem unbekannten Land im Süden (Terra Australis Incognita). Der tatsächliche Entdecker Australiens ist umstritten. Viele Seefahrer behaupteten im Verlauf des 16. Jahrhunderts das Land gesichtet und betreten zu haben, doch waren diese Aussagen später nicht zu belegen. Vermutlich wurde der 5. Kontinent von Holländern „entdeckt“. Auf der Suche nach einem sicheren Seeweg von Indien ins heimische Holland segelte ein Schiff unter Kapitän Janszoon an der Ostküste von Queensland entlang und landete an der Cape York-Halbinsel. Die dort angetroffenen Einwohner töteten mehrere Besatzungsmitglieder und wurden in den Aufzeichnungen des Kapitäns als „besonders häßlich, grausam und verkommen“ beschrieben.
Die Route entlang der Ostküste entwickelte sich zu einem der profitabelsten Seewege der damaligen Zeit. Die Neuentdeckung von Kontinenten war für die Holländer jedoch von geringem Interesse.
Am 28. August 1768 lief Captain James Cook mit der Endeavour in Plymouth aus, um seinem Auftrag gemäß die Suche nach dem „Großen Land im Süden“ erfolgreich für die britische Krone zu beenden. Als erster Europäer landete er auf den Tag genau nach 19 Monaten Reise an der Ostküste (in der Nähe des heutigen Sydney) in der Botany Bay und hisste die britische Flagge auf Possession Island an der Spitze des Kaps. Der östliche Teil Australiens wurde im Namen von König Georg III. als New South Wales benannt.

Durch den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (ab 1775) hatte England ein Gebiet verloren, in das Sträflinge verbannt werden konnten. Nachdem die britischen Gefängnisse nicht mehr ausreichende Kapazitäten boten, wurde beschlossen, in New South Wales eine neue Kolonie zu gründen und die Sträflinge dorthin zu verbringen. Im Oktober 1786 wurde Kapitän Arthur Phillip zum Gouverneur von New South Wales ernannt. 7 Monate später fuhr ein Verband mehrerer Schiffe mit 772 Sträflingen und 211 Soldaten und Seeleuten in Portsmouth ab. Diese legten als erste weiße Siedler am 18. Januar 1788 in der Botany Bay an. Da sich die Botany Bay als ungünstig erwies, zog der Troß nach Port Jackson weiter, wo 8 Tage nach der Landung formell die erste Kolonie der britischen Krone in Australien durch das Hissen des 'Union Jack' gegründet wurde. Der 26. Januar wurde später zum 'Australia Day', einem Nationalfeiertag.
Bis zum Einstellen der Deportationen im Jahre 1868 wurden über 16000 Häftlinge, hiervon 85 % Männer, nach Australien entsandt. Bereits 1793 wanderten die ersten freien Briten nach Australien aus. Um 1830 bestanden die Siedler aus 63000 Strafverbannten und 14000 freiwilligen Einwanderern. Weitere 20 Jahre später waren die freien Siedler bereits in der Mehrzahl.
Die Briten gründeten nach strategischen Gesichtspunkten in allen wichtigen Regionen Siedlungen an den Küsten des Landes.
Die Bezeichnung Australien für den 5. Kontinent wurde erst 1817 auf Grund eines Vorschlages von Matthew Flinder offiziell.
Die weitere Geschichte Australiens ist durch den 'Australian Colonies Gouvernment Act' im Jahre 1850 gekennzeichnet, mit dem die Kolonien New South Wales, Tasmania, Victoria und South Australia formell eine weitreichende Selbständigkeit erhielten. Queensland folgte 1859 und Western Australia 1890. Mit der Zeit erhielten die Kolonien eigene Verfassungen und Parlamente.
Im 19. Jahrhundert konnte infolge eines Goldrausches der Status einer Sträflingskolonie abgestreift werden. Durch den Goldrausch wuchs die Bevölkerung innerhalb kurzer Zeit bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auf fast 15 Millionen Menschen an.
Im Juni 1900 wurden die australischen Kolonien durch Queen Victoria in die Unabhängigkeit entlassen. Da Australien keine Loslösung von Großbritannien anstrebte, behielt sich die Regierung in London ein Mitspracherecht in der Außenpolitik, den internationalen Wirtschaftsbeziehungen und der Verteidigung vor. Durch die Rivalität zwischen den Städten Sydney und Melbourne wurde die erst noch neu zu erbauende Stadt Canberra zur Hauptstadt Australiens bestimmt. 1927 zog das Parlament ein. Die weitere enge Bindung Australiens zu Großbritannien zeigte sich auch daran, daß australische Soldaten an der Seite der britischen Soldaten in die beiden Weltkriege zogen. Im Laufe der weiteren Entwicklung wuchs auch die Bevölkerung stetig an. 1965 lebten 11 Millionen Menschen in 'Down Under', bis heute ist die Zahl der Einwohner auf rund 18,5 Millionen angewachsen.
85 % der Australier leben in Orten mit mehr als 2000 Einwohnern, 70 % in den 10 größten Städten. Der Bundesstaat mit der größten Bevölkerung ist New South Wales mit über 6 Millionen Einwohnern, von denen rund 65 % in Sydney leben.


Die Reise

Nachdem der Entschluß fest stand nach Australien zu reisen, buchten wir 7 Monate vor Reisebeginn Flug und Camper und kümmerten uns um einen gültigen Reisepaß. Im Idealfall sollte nach Möglichkeit ein dreiviertel Jahr vor Reisebeginn gebucht werden. Die erforderlichen Visa wurden direkt über das Reisebüro beantragt.
Wir flogen am 6. Dezember 1998 in Stuttgart mit 'British Airways' ab und kamen nach kurzen Zwischenstopps in London und Bangkok in den frühen Morgenstunden des 7. Dezembers nach knapp 30 Stunden Reisezeit in Sydney an. Nach den Einreiseformalitäten fuhren wir mit dem Bus zu unserem Hotel und deponierten das Gepäck auf unserem Zimmer, um vor den Auswirkungen des Jetlags noch etwas die Stadt zu genießen.

Unser erster Weg führte uns zu Fuß durch die halbe Stadt zu dem am Hafenbecken gelegenen Sydney Aquarium. Bereits auf dem Spaziergang zum Aquarium konnten wir einen ersten Kontakt zur Tier- und Pflanzenwelt Australiens aufnehmen. Besonders die Botanic Gardens in der Nähe der 'Woolloomooloo Bay' mit den dort anzutreffenden Gelbhaubenkakadus (Sulphur-Crested Cockatoo, Cacatua g. galerita) hatten es uns angetan. Über das den Park durchziehende Wegenetz eröffnet sich eine Vielfalt seltener einheimischer, aber auch importierter Pflanzen. Innerhalb des Parks finden sich die beiden Gewächshäuser 'The Arc' und 'The Pyramid Glasshouse', in denen das 'Sydney Tropical Centre' mit Regenwaldpflanzen vertreten ist.

Gelbhaubenkakadus im Botanic Garden an der Wooloomooloo Bay,
Sydney, NSW  (Foto: P.M. Müller)

Ein Besuch des Aquariums ist sehr zu empfehlen. Es wird ein Einblick in den Murray Darling River, eine Mangrovenzone, den offenen Ozean und das Great Barrier Reef gegeben. In der Abteilung des Murray Darling River findet sich ein geräumiges Becken für Schnabeltiere (Ornithorhyncus anatinus), in der Mangrovenzone werden Leistenkrokodile (Salties bzw. Estuarine Crocodiles, Crocodylus porosus) und Schlangenhalsschildkröten (Snake-necked turtel, Chelidae) gezeigt. Der offene Ozean wird von Robben wie dem Australischen Seebären (Australian Fur Seal, Arctocephalus pusillus doriferus), dem Seehund (Harbour Seal, Phoca vitulina) und dem Subarktischen Seebären (Sub-Antarctic Fur Seal, Arctocephalus gazella) sowie Pinguinen repräsentiert.
Beeindruckend ist ein 13 x 33 m großes und 4,5 m hohes Aquarium. In dem darin nachgebildeten 'Great Barrier Reef' sind Vertreter der australischen Fischwelt beherbergt und durch eine 7 x 4 m große Scheibe gut zu beobachten. In einem anderen Großaquarium lassen sich verschiedene Hai- (mit bis zu 3,5 m Länge) und Rochenarten sowie Meeresschildkröten und diverse Großfische durch einen 156 Meter langen Glastunnel (ohne lästige Verzerrungen durch das gebogene Glas) sehr gut beobachten.

Monorail vor dem Sydney Aquarium am Darling Harbour
 (Foto: P.M. Müller)

Im 'Sydney Aquarium' wird, wie auch in anderen australischen, öffentlichen Einrichtungen, viel Wert darauf gelegt, den Besuchern pädagogisch wertvoll die Tierwelt nahe zu bringen. In speziellen Aquarien (besonders nieder, oben offen) wird den Interessierten die Möglichkeit gegeben, verschiedene Fische, Seesterne und –igel zu berühren. Auffällig ist, daß zur Dekoration der Becken kaum lebende Korallen verwendet werden. Insgesamt werden 11000 Tiere aus 650 australischen Arten in über 12 Millionen Litern Wasser gezeigt.

 

Nach einer erholsamen Nacht wurde am darauf folgenden Vormittag das Wohnmobil beim Vermieter übernommen. Nach Abschluß einer zusätzlichen Vollkaskoversicherung (Stein- und Wasserschäden sind prinzipiell ausgeschlossen) und einer kurzen Fahrzeugeinweisung konnte die Fahrt beginnen.
Der Weg aus Sydney heraus war eine gute Übung sich in den Linksverkehr einzufinden. Kritische Situationen ergaben sich z.B. gerne beim mehrspurigen Abbiegen nach rechts, bei denen man als „Rechtsfahrer“ leicht dazu neigt auf die rechte Spur hinüber zu wechseln. Wir hatten bereits die Erfahrung gemacht, daß es ratsam ist den Pkw immer auf der linken Straßenseite abzustellen, da man ansonsten leicht bei fehlendem Gegenverkehr der Gewohnheit gehorchend auf der rechten Straßenseite weiterfährt.

Wir fuhren in westliche Richtung um über den Hume Hwy (Hwy = Highway), der die ersten 120 km auch den Namen South Western Freeway trägt, nach Goulburn zu gelangen. Über das in der fruchtbarsten Agrarregion der Southern Highlands gelegene Mittagong mit seinen beeindruckenden Wombeyan Caves (Kalksteingrotten mit riesigen Tropfsteinen) führte unser Weg nach Berrima, das 1831 in reizvoller Umgebung gegründet wurde. Die aus Sandstein errichteten Gebäude wurden liebevoll restauriert und stehen unter Denkmalschutz. Wir nahmen bei einem ersten Spaziergang durch die Umgebung Kontakt mit der überraschend grünen Natur auf. Die Bilder, die man von Australien im Hinterkopf trägt, zeichnen bekanntlich mehr ein Bild eines Landes mit überwiegend trockenen Landschaftsformen.

 

Biotop bei Berrima, NSW (Foto: P.M. Müller)  

Weiter ging die Fahrt nach Goulburn über die bei Moss Vale gelegenen Fitzroy Falls, beeindruckende 81 m hohe Wasserfälle im Verbreitungsgebiet des Platypus, den wir leider nicht entdecken konnten, und von 17 Froscharten, die im dichten Regenwald am Talgrund beheimatet sind. In Goulburn suchten wir unseren ersten Campingplatz auf. Selbst die Campingplätze sind in Australien beeindruckend: riesige Flächen, große Stellplätze und meist nur wenig belegt. Ausgestattet sind fast alle Campingplätze mit Waschmaschinen, Wäschetrockner und großen Wäscheständern.

Regenwald im Talgrund der Fitzroy Falls,
Moss Vale, NSW   (Foto: P.M. Müller)

81m tief stürzt sich das Wasser die Fitzroy Falls herab,
Moss Vale, NSW   (Foto: P.M. Müller)

 

 

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© P.M.Müller und R.Kohlmeyer  03-04/2005

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