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FAQ Antworten auf häufige Fragen


Bartagamen - Pogona vitticeps

Erfahrungen, Haltungsbericht

u.a. mit einer Bildergalerie, zur Verfügung gestellt von Timo Schaser 
(per Mausklick auf die Fotos zu erreichen)


Meine ersten kleinen Bartagamen kamen im Frühsommer 1998 ins Haus. Es war Liebe auf den ersten Blick. Einen geschulten zweiten Blick hatte ich nicht übrig, dann wären mir vielleicht die nächsten leidvollen Wochen erspart geblieben... Aber ich will von Anfang an erzählen.
Meine ersten zwei kleinen Bartis kamen also ins Haus, bewohnen sollten sie ein Terrarium von 80x50x50cm (LxBxH) für den Anfang

kleine Pogonas Unter dem Terrarium verlegte ich (auf einer 2cm dicken Styroporplatte) einen Kabelheizer für 2/3 der Bodenfläche. Als Beleuchtung verwendete ich eine UV-B5.0 Röhre (Zoo-med) und eine Tageslichtröhre. Die UV-Röhre wurde im Terrarium angebracht, die andere legte ich obenauf, aus Platzgründen.

1. wichtiger Punkt: Glas filtert UV-Strahlen, deshalb gehören diese Beleuchtungskörper immer in ein Terrarium! Außerhalb sind sie überflüssig, dann kann man sie ebenso gut weglassen. Bei Röhren sollten diese in der Länge dem Terrarium entsprechen, also nur wenig kürzer sein als das Becken. - Als Bodengrund nahm ich Kieselsteinchen von 3-6mm Körnung, da die Agamen an diesen Bodengrund gewöhnt waren. Ein Kork-Kletterast und ein -unterschlupf sowie ein paar schöne Steine ergänzten die Einrichtung. Ein Thermometer wurde eingeklebt und einen Wassernapf bekamen die Echsen selbstverständlich auch.
2.wichtiger Punkt: Kletteräste sollen immer so aufgestellt werden, daß keine einzelnen, emporragenden Enden/Spitzen entstehen. Dort würde sich nämlich das ranghöchste Tier einen Vorzugsplatz suchen und so die anderen unter gefährliche Dauertreßsituation stellen.

Nach diesen Vorbereitungen konnten die kleinen possierlichen Kerlchen einziehen. Die Temperatur lag bei 28°C (direkt unter der Lampe), auf dem Kletterast etwas höher. Gefüttert wurde mit mittleren Grillen, da ich zu dem Zeitpunkt mit dem Anblick von Heimchen noch nicht gut umgehen konnte (kurzum: ich fand sie eklig).

Die Bartagamen erweichen mit ihrem charmanten Äußeren und ihrer liebenswerten und friedlichen Art jedes Herz und sind bei sehr vielen Terrarianern zu Hause, oder waren es zumindest schon einmal. Bartagamen werden schnell zutraulich und haben keine Scheu vor dem Menschen.
Meine kleinen Freunde waren ganz munter. Sie fraßen gut, am liebsten das mit Vitamin-/Mineralstoff-Präparat eingestäubte - ich war zufrieden. So etwa sechs Wochen jedenfalls. Da bemerkte ich, daß die eine Bartagame nicht mehr recht fressen wollte. Ich dachte zunächst an bevorstehende Häutung, aber dem war nicht so. Das kleine Tier fraß kaum und bekam nach einigen Tagen einen dicken Bauch. Was nun? Eventuell litt es an Verstopfung? Ich bemerkte, daß beide Tiere ab und zu welche von den Kieseln fraßen. Das konnte nicht gut sein, also doch eine Art Verstopfung? Ich fragte in einem Zooladen nach (mein Händler war im Urlaub und einen reptilienkundigen Tierarzt gibt es hier leider nicht). Dort wurde meine Vermutung bestätigt. Wenn die Tiere Steine aufnehmen, deutet dies auf einen akuten Mineralstoffmangel hin. Großen Tieren macht das nichts aus, sie scheiden die Kiesel wieder aus. Bei Jungtieren ist das aber nicht so. Die Steine sammeln sich im Verdauungstrakt, halten die Exkremente zurück  und bilden so einen festen Ballen, der nicht mehr ausgeschieden werden kann. Die Empfehlung, die ich bekam: Kies raus, Sand rein oder den Kies mit Flussschiefer abdecken. Dieser Flussschiefer sieht sehr gut aus, also entschloß ich mich zunächst zu dieser einfacheren Lösung.

Als Zweites besorgte ich mir ein anderes Vitamin-/Mineralstoffpräparat. Die dritte Maßnahme war die Verordnung warmer Bäder für die kleine Agame. Genau genommen hielt ich sie unter den Wasserhahn und massierte leicht und vorsichtig den Bauch. Es war erschütternd, wie viele Steinchen dabei zu Tage kamen. Fressen wollte die Kleine aber dennoch nicht. So versuchte ich es mit Karotten-Babybrei per Einwegspritze. Sie schluckte immer ein wenig und es schien, als würde sie sich erholen. Nach einigen Tagen war sie aber doch gestorben.
Die andere Bartagame war nach wie vor ganz munter. Ich kaufte wieder ein Tier dazu, das allerdings etwas kleiner war. Gleich große waren leider nicht zu bekommen. Der neue war etwas kümmerlich, aber ich wollte es versuchen. Auch wieder kein Glück ... nach etwa einer Woche waren beide Bartagamen gestorben. Das ich sehr traurig war, brauche ich eigentlich nicht zu erwähnen...

(Erst sehr viel später sollte ich erfahren, daß es sich bei meinen Tieren um Inzuchten gehandelt hatte - es war also nicht meine Schuld, daß sie verstorben waren. Die Lebenschancen waren von vornherein schlecht gewesen.)

Pogonav. 1Jahr Zunächst war das Thema Bartagamen für mich erledigt. Das dauerte allerdings nicht lange an. Ich sah zwei adulte Tiere, wunderschön gezeichnet. Muß ich noch mehr sagen? Ich nahm sie gleich mit, das Terrarium stand ja noch voll eingerichtet da. Sogar die Heizung lief noch... Das das Becken für die großen Tiere nicht ausreichen würde, war mir klar, aber ich konnte an dem Tag nicht widerstehen. Völlig stolz setzte ich die zwei in das Terri. Sie freuten sich anscheinend, fraßen gleich dicke Grillen. Es gab keinerlei Eingewöhnungsprobleme.

Einige Tage darauf besorgte ich ein großes Terrarium für die Bartagamen. Es hatte die Maße 130x60x60cm (LxBxH). Es war bereits mit einer Heizmatte und einer Beleuchtungseinheit ausgestattet. Die Röhre tauschte ich aus gegen eine passende UV-B5.0-Röhre. Eine Tageslichtröhre wurde wieder obenauf platziert. Zusätzlich zur Heizmatte verlegte ich wieder ein Heizkabel unter dem Terrarium, wie gehabt (TIPP: verlegt man das Kabel unter dem Glasterrarium, eignet sich eine Styroporplatte als Unterlage zu Isolation. Verlegt man das Kabel in dem Terrarium, ist es nützlich auf dem Glasboden zuerst eine Korkplatte zu legen. So geht fast keine Wärme nach unten verloren und das Glas wird vor der Hitze des Kabelheizers geschützt.). Ich kaufte noch eine dicke Korkröhre dazu, die der Mittelpunkt des neuen Beckens werden sollte.

Barti klein Die Rück- und Seitenwände beklebte ich mit dünnen Korkplatten. Das sieht gut aus und isoliert. Dieses Terrarium wurde nicht mehr mit Kieselsteinen bestückt. Üblicherweise nimmt man bei Bartagamen den normalen Vogelsand. Ich hatte aber gelesen, daß der auch nicht so ganz optimal sein soll. Nach Bildern aus dem Herkunftsgebiet von Pogona vitticeps ist die Erde dort eher rot. - Den roten Sand gibt es im Zoofachhandel zu kaufen. Er ist ziemlich teuer, aber DER sollte es sein. 

Ich hatte genaue Vorstellungen, was ich 'bauen' wollte und kaufte deshalb den teuren roten Sand. Damit gestaltete ich eine leicht hügelige Landschaft. Das läßt sich gut machen, da der Sand feucht ist und nach dem Auftrocknen (ähnlich wie Lehm) zusammenhält. - Das heißt: dieser Sand hält zwar zusammen, aber er verklebt nicht. Bei leichtem Druck zerfallen die Massen. Ich denke, somit besteht mit diesem Sand keine Gefahr, daß sich die Tiere beim Verschlucken einen Darmverschluss zuziehen können. - So bleibt die modellierte Landschaft stabil. 
Die Korkröhre legte ich hinein, den dünneren Korkast stellte ich sicher gegen dieses Korkteil und einen knorrigen Weinreben-Ast ebenfalls. Die gewaschenen Flussschiefer (das sind flache Steine mit etwa 2-4cm Durchmesser) legte ich etwa mittig aus. Darauf wurde der Wassernapf gestellt. Ein großer Stein kam auch noch hinein. Nun konnten die Agamen umgesetzt werden. Es war ein spannender Moment. Wie würden Sie reagieren? Würde ihnen der Boden gefallen?
Ja, es war ein voller Erfolg. Die Tiere erkundeten das Becken und nahmen die dicke Korkröhre sogleich in Beschlag. Dort war dann auch gleich der Lieblingsplatz der beiden Bartagamen. Ausgerichtet auf diesen Platz montierten wir zusätzlich einen Wärmestrahler, der bei Bedarf zugeschaltet werden kann, ansonsten werden Licht und Heizmatte mittels einer Schaltuhr nachts abgeschaltet.

Etwa vier Monate nach dem Einzug der beiden Agamen kamen noch zwei Exemplare dazu ... ein Pärchen, adult. Sie sollten sich auch schon erfolgreich gepaart haben. Ich bin vier Stunden durch die Gegend gefahren und habe überlegt, ob ich es wagen sollte. Ich rief meinen Mann an, um seine Meinung zu hören (vielleicht auch hoffend, er würde mich für verrückt halten oder schimpfen oder so etwas...). Er war aber sofort dafür und redete mir zu. Nun, größenmäßig paßten sie auch zu den anderen ... Man muß ja immer aufpassen, daß die Größen der Tiere gleich sind, sonst kommt es zu Beißereien, nicht selten werden schwächere Tiere auch getötet. - Somit entschied ich mich FÜR die Tiere. Allerdings nahm ich sie mit dem Versprechen, sie zurückgeben zu können, falls sie sich mit den anderen nicht vertragen würden. Schließlich wußte ich ja nicht einmal mit Sicherheit die Geschlechter meiner Tiere zu Hause.
Die Neuen hatten beide Schwanzschäden. Dem Männchen fehlt etwa die Hälfte des Schwanzes, dem Weibchen fehlte die Schwanzspitze. Aber was macht das schon? - Sie zogen zu den anderen ins Terrarium.

Da ging's dann los! All das, was ich bisher vermißt hatte! Die Tiere begannen zu nicken, zu winken, das Männchen spreizte den Bart und färbte die Kehle tiefschwarz! Ein tolles Schauspiel! Aber Ärger Gab es keinen. Keine Raufereien oder Beißereien, alles friedlich. Sie lagen meist alle vier neben- und übereinander auf dem Lieblingsplatz, sie fraßen gemeinsam. Zum Schlafen hatte bald jede 'ihren' Platz gefunden. Sollte ich etwa jetzt drei Weibchen und einen Bock besitzen? Pogona adult

Das Pärchen war von Anfang an sehr zutraulich. Sie fraßen neben Insekten auch gern Grünzeug. Die anderen zwei hielten zunächst nicht sehr viel von pflanzlicher Nahrung, aber mit dem Einzug der Neuen änderte sich das (Futterneid?).

Im Spätsommer, als mit keiner weiteren Eiablage mehr zu rechnen war, entschloß ich mich, das Terrarium gründlich zu reinigen. So gern die Bartagamen den roten Sand auch mochten, sie selbst hatten auch ewig einen 'Rotschleier'. Das störte mich und ich denke, wenn das Zeug staubt, dann haben die Tiere davon auch etwas in den Lungen...
Diesmal wollte ich anderen Bodengrund versuchen. Mehrfach hatte ich in Newsgroups gelesen, daß man auch den Kinderspielsand verwenden kann. Der sollte nicht scharfkantig sein und sich zum Graben bestens eignen. Ich besorgte mir davon zwei große Säcke. Nach der Reinigung schüttete ich den Sand ins Terri. Er war feucht und so dachte ich mir nicht viel dabei, daß sich meine Bartagamen erst einmal verkrochen ... aber Tage später waren sie noch immer sehr dunkel gefärbt und mehr oder weniger 'komisch'. Sie fühlten sich offensichtlich nicht wohl. Nun, also wieder los und roten Sand kaufen ... die Ecke in der auch die Eiablage stattgefunden hatte, wurde wieder rot ... Ja, die Bartagamen waren zufrieden. Ihr Verhalten änderte sich sofort, die Farbe war gleich wieder hellgrau und alles war gut ... also nichts mit Sparmaßnahmen bei meinen Bartagamen !

Unter Berücksichtigung der Haltungsbedingungen und Ansprüche die Pogona vitticeps an ihren Pfleger stellen, kann man sie als Tiere bezeichnen, mit denen auch der ungeübte Terrarianer wenig Probleme, aber sehr viel Freude haben wird. Sollten noch Fragen auftreten, findet man einige Antworten im Teil 'Bartagamen-Praxis'. Wenn es nicht reicht, bitte seht ins Bartagamen-Forum und stellt auch dort Eure Fragen.

 

bart3 Meine vier Agamen bezogen im September 1999 ein neues Terrarium. Es hat die Größe von 170x70x60cm (LxBxH). Eingerichtet ist es mit einem großen, rindenlosen querliegenden Baum (Strandgut aus der Ostsee). Als Bodengrund habe ich zunächst ein Gemisch aus Vogelsand, Aquarienkies und dem geliebten roten Sand gewählt. Diesmal gab es keine Probleme. Ich schließe daraus, daß zumindest meine Tiere keinen hellen Boden mögen ... Zum Frühjahr nächsten Jahres werde ich die Eiablageecke aber wieder mit dem roten Sand (pur) gestalten.
Es war imposant anzusehen, wie die Bartagamen nach dem Umsetzen durch das neue Terrarium gerannt sind. Man konnte deutlich sehen, wie sehr sie den Freiraum eroberten und das Laufen genossen. - Jetzt haben sie sich wunderbar eingewöhnt. Nachts liegen sie verteilt auf dem riesigen Baum, so daß man mitunter richtig suchen muß, wo sie denn nun sind ... morgens zum Aufwärmen brauchen sie keine neuen Plätze einnehmen ... zum Füttern, Trinken und Rennen kommen sie herunter auf den Boden. 
Im Dunkeln sieht man gut, wie 
die Tiere durch ihre Zeichnung getarnt sind 
(Vergrößerung per Mausklick)

 Meine anfänglichen Bedenken, sie würden ihr Futter nicht mehr so gut finden, haben sich schnell zerschlagen. Es klappt mit der Insektenjagd absolut problemlos.

Von Oktober bis Anfang Dezember '99 legten meine vier Lieblinge eine Winterruhe ein. Das Licht wurde etwas reduziert und die Tiere stellten ihre Aktivitäten ein, der Hunger hielt sich während dieser Zeit auch in Grenzen. Die meiste Zeit lagen sie träge auf ihrem Baum und dösten vor sich hin.
Dann waren sie wieder absolut aktiv. Lustig sprangen und rannten sie im Terrarium hin und her und das Männchen versuchte unentwegt, eines seiner Weibchen zu besteigen. Das ging etwa drei Wochen so, dann war wieder relative Ruhe im Terrarium. Die Tiere zeigten sich träge (bis Ende Januar). Die Winterruhe war doch noch nicht überstanden.

Im Monat darauf erfolgte die Frühjahrsreinigung des Terrariums und auch der gesamte Bodengrund wurde wieder erneuert. Da zu der Zeit kein roter Sand zu bekommen war, verwendete ich (halbseitig) ein Gemisch aus Vogelsand und Aquarienkies. Dadurch war der Bodengrund etwas dunkler als bei ausschließlicher Verwendung von Vogelsand.

bart1

Inzwischen verhalten sich meine Bartagamen wieder völlig 'normal' und genießen ihren Alltag.
Fast normal jedenfalls! Es stellte sich etwas ganz anderes heraus: die Tiere benötigen vermutlich mehr Zeit, sich an das neue Terrarium zu gewöhnen. Ich bin inzwischen überzeugt, daß sich Echsen mit zunehmendem Alter nur noch schwer umgewöhnen. Bei Riesenschlangen ist dieses 'Verhalten' ja schon länger bekannt. Ich denke, auch bei Echsen wird es nicht anders sein.  '...einen alten Baum verpflanzt man nicht...' sagt der Volksmund und daran ist wohl etwas Wahres! Meine Tiere zumindest machen einen fröhlichen Eindruck, sie fressen wie gewohnt und baden wie immer gern. 

Mein derzeit jüngstes Weibchen auf seinem Schlafplatz

Aber: sie zeigen keinerlei Anstalten zur Verpaarung. Da sich, außer dem größeren Terrarium und dem Bodengrund nichts an der Haltung verändert hat, bin ich sicher, sie haben sich noch nicht richtig und vollständig umgewöhnt, und sie akzeptieren den hellen Bodengrund wieder nicht - wie im Vorjahr.

Aus diesem Grunde war mein nächster Schritt, den über alles geliebten roten Terrariensand zu beschaffen und etwa ein Drittel des Beckenbodens wieder mit diesem auszustatten. Ob die vier Bartagamen dann glücklicher sind? Ich habe zumindest den Eindruck ...

Inzwischen besitze ich noch ein Pärchen junger Pogona vitticeps, die in einem anderen Terrarium leben, daß als Bodengrund ausschließlich Vogelsand enthält. Diese zwei Tiere sind anscheinend recht zufrieden damit.

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Die kleineren Fotos dieser Seite (oberer Teil) wurden von Timo Schaser zur Verfügung gestellt. Danke Timo für die schönen Fotos!
Ganz oben: seine Jungtiere mit etwa 4 Wochen, 2. Bild: Bartagame mit einem Jahr, 3. Bild: Bartagame mit ca. 3 Monaten, 4. Bild: Bartagame adult

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© R. Kohlmeyer 1999 - 2001

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