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Pogona henrylawsoni

Text und Foto: Helmut Lautischer, 1. Wr.N.ATV


Haltung und Zucht von Zwergbartagamen

   

All jene, die jetzt einen hochwissenschaftlichen Bericht von mir erwarten, muss ich leider schon am Anfang meiner Ausführungen enttäuschen. Ich möchte lediglich meine Erfahrungen mit diesen reizenden Tieren wiedergeben.

Schon seit einiger Zeit haben meine Tochter, die ebenfalls vom Terrarianervirus befallen ist, und ich ein Auge auf Bartagamen geworfen. Speziell die Jungtiere sind ja äußerst putzige Gesellen. Nach reiflichem Studium der Fachliteratur, schreckte uns allerdings die Endgröße von Pogona vitticeps, die bekannteste aber auch die größte Bartagamenart, ab. Allerdings stießen wir dabei auch auf die Zwergbartagame, Pogona henrylawsoni, die es laut Literatur auf eine Gesamtlänge von 30 cm. bringt. Vor dem Erwerb solcher Tiere wollten wir aber noch mit einem erfahrenen Händler oder noch besser einem erfahrenen Züchter Kontakt aufnehmen. Dies war jedoch zu dieser Zeit nicht ganz einfach, da kaum Tiere im Handel waren und wir auch keine geeigneten Züchter kannten. Bei einer Börse in Pottschach haben wir dann erstmals diese Tiere gesehen und konnten damals auch mit dem Verkäufer über die Haltungsbedingungen der Zwergbartagamen sprechen. Auch Herr Svardal, damals Obmann, heute Ehrenobmann des 1. Wiener Neustädter Aquarien- und Terrarienvereines, gab uns gute Tipps für die Haltung und Pflege. Als wir, meine Tochter und ich, von dieser Börse nach Hause gekommen waren, wurde auch sofort der Familienrat einberufen. So wie meistens bei solchen Anlässen, zumindest wenn es um die Anschaffung neuer Haustiere geht, konnten wir die beiden anderen Diskussionsteilnehmer, Gattin und Tochter, von der „Notwendigkeit“ der Anschaffung von Zwergbartagamen überzeugen.

Bald darauf wurde ein geeignetes Terrarium mit den Massen 100x40x70 (Anmerkung Webmaster: 100x80 wäre besser) erworben. In diesen Behälter wurde eine 10–15 cm hohe Sandschicht eingebracht. Etliche Steinaufbauten, die unbedingt auf der Bodenscheibe des Terrariums gut aufliegen müssen damit sie von den Tieren nicht untergraben werden können, sowie Korkröhren dienen als Versteckmöglichkeiten und Rückzugsgebiete. Des Weiteren wurden dicke Kletteräste und die Korkröhren so angeordnet, dass auch die höheren Regionen des Behälters von den Echsen erreicht werden können. Anders als in den meisten Büchern, klettern meine Tiere sehr gerne, sowohl auf den Ästen als auf den Steinaufbauten, um die bevorzugten Sonnenplätze zu erreichen.
Als Beleuchtung und auch Heizung dienen eine HQL Lampe, eine Arcadia Reptile D3 Compact-Lampe (tageslichtähnliches Spektrum mit 5 % UV-Anteil) und ein 100 W Spotstrahler. Dadurch erreiche ich Temperaturzonen, im Schattenbereich ab 20°C und im Bereich des Spotstrahlers bis zu 40°C. Auf Grund der ausreichenden Beleuchtung konnte auf eine zusätzliche Heizung verzichtet werden. Eine Bepflanzung kann mit widerstandsfähigen Arten erfolgen, ist aber nicht für das Wohlbefinden der Tiere notwendig. Des weiteren sollte sich auch noch ein Wasserbehälter mit täglich frischem Trinkwasser im Terrarium befinden, damit die Tiere sowohl die Möglichkeit haben zu trinken, als auch zu baden, was meine Tiere allerdings noch nie gemacht haben.
Nachdem das Terrarium nun für die neuen Bewohner fertig war, mussten wir uns allerdings noch ca. ½ Jahr bis zur nächsten Börse gedulden.

Am 30. November 2003 war es dann soweit. In aller Früh fuhr ich mit meiner Tochter von Bruck an der Mur nach St. Pölten zur Exotica und hoffte, dort unsere Wunschtiere auch zu finden. Leider war das Wetter sehr schlecht. Nebel, Regen, Schneefall und Glatteis über den Seeberg, Josefsberg und Annaberg sorgten dafür, das wir 2 ½ Stunden bis St. Pölten brauchten. Da wir aber schon um 7 Uhr gestartet waren, kamen wir rechtzeitig zum Einlass. Wir durften auf Grund unserer Vorverkaufskarten statt um 10 Uhr schon eine Viertelstunde vor dem offiziellen Öffnen hinein. Leider haben wir damals von der Exotica, außer unserer Zwergbartagamen, die wir erworben haben, nicht viel gesehen, da wir gleich wieder mit unserer heiklen Fracht die Heimreise angetreten haben. Wir hatten also für 10 Minuten Exoticabesuch 5 Stunden Fahrzeit gebraucht, was nimmt man nicht alles für sein Hobby auf sich, waren aber trotzdem froh, dass wir 3 Tiere erwerben konnten. Es waren 2 Weibchen und 1 Männchen, laut Aussage der Züchterin keine Geschwister und sie waren in sehr gutem Allgemeinzustand, ca. 4 Monate alt und ca. 15 cm groß. Auf Grund des Alters hielten sie zu dieser Zeit auch keine Winterruhe.
Zu Hause angekommen setzen wir die Tiere sogleich in ihr neues Zuhause. Sie vertrugen sich von Anfang an gut und schon am nächsten Tag verschlangen sie gierig die angebotenen und mit Vitaminpräparat bestäubten Heimchen. Bei der Fütterung wurde stets auf Abwechslung geachtet. Es wurden Insekten aller Art, Heimchen, Grillen, kleinere Heuschrecken, Mehlwürmer und Schaben, aber auch Obst und Gemüse, speziell grüner Salat, Löwenzahn, Karotten, Äpfel, Gurken, in Streifen geschnitten, gefressen. Trinkwasser wird nur von der Pipette genommen, bzw. das Sprühwasser, das Terrarium sollte täglich überbraust werden, wird von der Dekoration abgeleckt. Die Aufnahme von Trinkwasser aus der Wasserschale konnte ich bei meinen Tieren nicht beobachten. Natürlich wurden jeden Tag die Ausscheidungen der Tiere sowie verdorbenes Futter aus dem Terrarium entfernt.

Nach ca. 6 Wochen begannen die Bartagamen plötzlich, die Nahrungsaufnahme einzustellen und zogen sich, trotz voller Beleuchtung und Temperaturen bis 40°C, zur Winterruhe zurück.
Die Weibchen kamen immer wieder ca. alle 7 Tage aus den Verstecken, um von der Pipette zu trinken. Das Männchen hat seine Winterruhe, die bis Anfang Mai andauerte, nie unterbrochen.

In der Zeit der Winterruhe habe ich den Spotstrahler für 1 Monat nur ca. 2 Stunden eingeschaltet und danach die Beleuchtungsdauer langsam auf 8 Stunden gesteigert. Gesprüht wurde jeden zweiten Tag. Die Weibchen sind nach ca. 2 Monaten, Anfang März, aus der Winterruhe erwacht. Die ersten paar Tage gab es nur vegetarische Nahrung zu fressen. Erst danach wurden auch Insekten dazu verfüttert. Auf Grund des gesunden Appetits wuchsen die beiden Weibchen innerhalb kürzester Zeit zu Prachtexemplaren heran.

 

Inzwischen haben wir ein paar Mal versucht das Männchen, wir dachten schon es sei während der Winterruhe gestorben, zu wecken, allerdings ohne Erfolg. Erst als wir es Anfang Mai, bei voller Sonneneinstrahlung, mit einem Aufenthalt auf unserem südseitig ausgerichteten Balkon versuchten, klappte der Weckversuch. In den warmen Sommermonaten, im Terrarium herrschten Spitzenwerte bis zu 45°C, waren unsere Drei kaum noch satt zu bekommen. Gefüttert wurde abwechselnd Obst und Gemüse oder Insekten. Die Bartagamen waren sehr zutraulich und nahmen jegliches Futter von der Pinzette, so dass wir auch immer sicher sein konnten, dass alle Tiere genug abbekommen haben. Selbst frischtote Insekten fressen sie anstandslos.

Es war dann Mitte September 2004 und obwohl ich keine Paarungen beobachten konnte, angeblich sollen die Männchen dabei recht ungestüm mit den Weibchen umgehen, fiel mir auf, dass eine meiner Zwergbartagamendamen besonders dick war. Niemand, nicht einmal hoffnungslose Optimisten und schon gar nicht meine Tochter und ich, glaubten daran, dass dieses Weibchen Eier legen könnte und schon gar nicht, das diese befruchtet sein könnten. Auch eine Terraristik- und Echsenspezialistin stellte Ende September durch Abtasten des Weibchens fest, dass dieses lediglich etwas zu gut im Futter stehe aber keine Eier gebildet habe. Umso erstaunter waren wir alle, als dieses Tier am 7.10.2004  8 Eier unter einem Steinhaufen in den Sand gelegt hatte. Anders als bei meinen Chamäleons, die unzählige Probegrabungen vor der eigentlichen Eiablage durchführen, waren keinerlei Grabtätigkeiten vor dem Eiablagetag zu beobachten.

Obwohl wir nicht glaubten, da wir wie schon oben erwähnt keine Paarungen beobachten konnten, dass die Eier befruchtet sein könnten, überführten wir sie trotzdem in den Brutapparat (Jäger Kunstglucke). Bei gleich bleibender Temperatur von 29 Grad wollten wir versuchen, das Gelege in feuchtem Vermiculit bzw. Perlite zu zeitigen. Sechs der insgesamt 8 Eier entwickelten sich im feuchten Substrat sehr gut und man konnte deutlich das Wachstum, durch Aufnahme von Feuchtigkeit, erkennen. Die zwei restlichen Eier begannen zu schrumpfen und wurden entfernt. Nach exakt 2 Monaten, es war der 7.12.2004 war es dann soweit. Aus den 6 Eier schlüpften innerhalb eines Tages 6 Jungtiere, die anfangs noch einen Tag im Brutapparat blieben. Danach wurden die Jungen in ein Aufzuchtbecken 50x25x30 überführt. Sie waren etwa 6cm lang, wobei die Hälfte der Gesamtlänge auf den Schwanz entfiel, und äusserst flink.
Die Einrichtung des Aufzuchtbeckens bestand aus einer Sandschicht, einem Stein der als Sonnenplatz diente, einigen Korkstücken und einem quer durch das Becken gelegten Kletterast. Das Terrarium wurde auf meine Aquariumabdeckung gestellt, sodass eine gewisse Bodenwärme vorhanden war. Zusätzlich dienten noch 2 Neonröhren, eine davon eine spezielle Reptilienröhre mit 5 % UV Anteil, die über dem Lüftungsgitter angebracht wurde, damit das UV Licht direkt auf die Tiere scheinen konnte, als Beleuchtung.

Ein Spotstrahler, der den Stein als Sonnenplatz erwärmte, diente als Licht- und Wärmequelle. Von Anfang an fütterte ich meine Tiere mit kleinstgeschnittenem Salat, Karotten und Gurkenstückchen. An tierischer Nahrung wurden zuerst Drosophila und Mikroheimchen, die mit Korvimin bestäubt wurden, verfüttert und auch gerne genommen. Trinkwasser wurde am liebsten von der Pipette getrunken. Nur selten wurde Sprühwasser von den Einrichtungsgegenständen geleckt. Die Aufzucht der Jungtiere ist nicht schwierig und sie wachsen bei guter Fütterung zügig heran.
Ab einer gewissen Größe, man bemerkt dann kleinere Raufereien unter den Tieren, sollte man größere und kleinere Jungtiere trennen, damit auch die Schwächeren ans Futter kommen. Obwohl in der Literatur immer wieder von häufigen Missbildungen von Schwanz und Zehen bei Nachzuchttieren berichtet wird, waren bei meinen Tieren keine Fehler festzustellen.
Mittlerweile habe ich meine ersten Nachzuchttiere, es sind 6 wunderschöne halbwüchsige Zwergbartagamen geworden, bereits an Reptilienfreunde bzw. an eine Zoohandlung weitergegeben. In der Zwischenzeit gibt es aber schon wieder die 10 ersten Jungtiere des Jahres 2005, die aus dem ersten der 4 Gelege mit insgesamt 42 Eiern, geschlüpft sind. Auch bei diesen Tieren sind keinerlei Fehlbildungen festzustellen und alle sind frisch und munter und vor allem immer hungrig.

Die Fütterung von Pogona henrylawsoni sollte, wie auch bei allen anderen Terrarientieren, sehr abwechslungsreich gestaltet werden. Ich persönlich versuche mehr an pflanzlicher als an tierischer Nahrung zu verabreichen.

An Grünfutter fressen meine Bartagamen hauptsächlich grünen Salat, Löwenzahn und Klee, wobei sie mit Vorliebe die gelben Blüten des Löwenzahn und die violetten Blüten des Klees verzehren. Gemüse und Obst wird vor allem in Form von Karotten, gerieben oder in Streifen geschnitten, Gurken und Äpfel gegeben. Zusätzlich werden noch reife Erdbeeren und Himbeeren, die Farbe Rot dürfte dabei den Ausschlag geben, gierig angenommen. Selbstverständlich sollte jegliches Grünfutter, Obst und Gemüse frei von Pestiziden und Verunreinigungen sein.

Tierische Nahrung besteht vor allem aus Heimchen, Heuschrecken, Schaben und Mehlwürmern. Aber auch Fliegen, Würmer, Schnecken und sogar Babymäuse werden verspeist. Sämtliche Futtertiere sollten der Größe der Bartagamen angemessen sein und mit Vitaminen bestäubt werden. Ich verwende dafür Korvimin ZVT und habe damit nur die besten Erfahrungen. Sehr wichtig ist auch die gute Fütterung der Futtertiere vor Verabreichung an die Terrarientiere ( siehe auch Artikel Jemenchamäleon DDA Mai 2005 unter Fütterung ).

Die absolute Lieblingsspeise meiner Zwergbartagamen, ob jung oder alt, ist mein „Schildkrötenpudding“, den ich für meine Moschusschildkröten herstelle. Dabei werden sämtlich Zutaten, von Karotten und Erbsen über Meeresfrüchte und Eier verrührt und mit Gelatine zu einem Art Pudding verarbeitet, der sich dann tiefgekühlt aufbewahren lässt und portionsweise wieder aufgetaut wird. Genauere Angaben über dieses Futter gibt es im Internet. Selbstverständlich bin ich auch gerne bereit, mein Rezept an Interessenten weiter zu geben. In Zukunft werde ich versuchen eine Futtermischung speziell für meine Zwergbartagamen zusammenzustellen. Diese Mischung sollte dann etwas weniger Meeresfrüchte, dafür eventuell mehr Obst und vor allem Insekten enthalten. Ich hoffe es wird mir eine Mischung gelingen die auch meinen Bartagamen schmeckt, damit sie den Schildkröten nicht immer das Futter wegfressen.

Trinkwasser verabreiche ich vor allem mit der Pipette, wobei ich dem Trinkwasser flüssige Vitamine und aufgelöstes Calziumglukonat hinzufüge.

Wichtig für das Wohlbefinden der Zwergbartagamen ist Licht und Wärme. Am Sonnenbadeplatz können Temperaturen bis zu 45°C sein. Allerdings sollten im Terrarium immer auch kühlere Stellen vorhanden sein. Bei der UV-Bestrahlung gibt es unterschiedlichste Auffassungen. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit den ARCADIA Reptile D3 Compact Lampen. Das sind 23 Watt Lampen mit einem 5 % UV-Anteil, die im Sommer bei mir bis zu 12 Stunden pro Tag brennt. Die Lampe liegt direkt auf dem Fliegengitter in der Abdeckung, da Glas die UV-Strahlung nicht durchlässt..

Auch das tägliche Sprühen sollte nicht vergessen werden. Obwohl es sich beim Terrarientyp um ein Wüstenterrarium handelt, ist eine stets feuchte Stelle für die Eiablage der Weibchen unbedingt notwendig.

Für die Winterruhe genügt es, die Beleuchtungsdauer und dadurch auch die Wärme im Herbst langsam herabzusetzen, wobei die Tiere auch während der Winterruhe für mindestens 1 Stunde immer einen Sonnenplatz mit ca. 30-35 Grad haben sollten. Während der Winterruhe, in der die Tiere öfter ihr Versteck verlassen, sollte nicht gefüttert werden. Meistens ziehen sich die Bartagamen bei mir nach dem Trinken von der Pipette wieder zur Ruhe zurück. Nach Beendigung der Winterruhe füttere ich anfangs nur sehr sparsam und nur Obst und Gemüse. Erst nach ca. einer Woche, wenn die Beleuchtungsdauer wieder normal ist, werden dann Insekten gefüttert.

Täglich frisches Trinkwasser in einer Schale sollte immer vorhanden sein. Auch die Säuberung des Behälters von Kot und Urinstein der Tiere sollte täglich erfolgen.

Abschließend kann ich jedem Tierfreund, der den Zwerbartagamen ein artgerechtes Terrarium incl. Beleuchtung und abwechslungsreiche Fütterung garantieren kann, nur ans Herz legen. Diese Tiere werden bei guter Pflege äußerst zutraulich und machen dem Pfleger sehr viel Freude.

Für Fragen stehe ich jederzeit gerne unter helmut.lautischer@gmx.at oder 03862-51794 zur Verfügung.

 

© Helmut Lautischer 10/2006

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