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FAQ Antworten auf häufige Fragen


Winterruhe


(Wie immer: Fotos zum Vergrößern bitte anklicken)

Im Herbst eines jeden Jahres wird die Winterruhe eingeleitet. Die Tiere sollten wenigstens für sechs Wochen eine Ruhephase erhalten. Wichtig in dieser Zeit ist, daß immer Frischwasser zu Verfügung steht. Ist die Temperatur nicht 'tief' genug, muß auch etwas gefüttert werden. Winterruhe hat nichts mit Winterschlaf zu tun. Das darf man nicht verwechseln. Tiere im Winterschlaf bringen ihren Kreislauf auf einen tiefen Ruhepunkt und verbringen den Winter in einer Art Tiefschlaf. Tiere in Winterruhe überbrücken lediglich die kühlere Jahreszeit mit gedämpftem Kreislauf. Sie sind weniger aktiv und benötigen daher kaum, kommen aber nicht immer ohne Futter aus!

Eine häufige Frage ist: Wie erkennt man, daß die Bartagamen in Winterruhe möchten? Wer seine Tiere kennt, bemerkt es daran, daß sie träger werden und sich mehr und mehr zurückziehen. Oft beginnen sie damit, sich ein Versteck im Sand, unter Wurzeln oder Hölzern zu suchen. Es kommt genauso vor, daß sie ihre üblichen Unterschlupfmöglichkeiten nutzen. Wenn man dieses Verhalten bemerkt, sollte man damit beginnen, das Terrarium auf die Winterruhe umzustellen.

Um das Winterklima zu simulieren, wird im Terrarium Schritt für Schritt die Beleuchtung von 14 Stunden auf acht Stunden reduziert und die Heizungen können, je nach Standort des Terrariums, u.U. ganz ausgeschaltet werden. Die genauen Schritte werde ich hier erläutern.

Porträt

In diesem Jahr war das Wetter bisher etwas launisch, so war der Sommer relativ kalt, der Herbst ist wieder verhältnismäßig mild. Die Terrarienbewohner spüren das und sind zum Teil bereits seit August auf eine Ruhephase eingestellt, einige Tiere haben sich da schon zurückgezogen und werden jetzt, Anfang Oktober, bereits wieder aktiv. - Unsere Tiere zeigten diese Anzeichen zwar nicht, aber auch wir werden die Winterruhe etwas früher als sonst einleiten. 

04.10.: der zusätzliche Wärmestrahler wird abgeschaltet (die per Thermostat geregelte Heizung bleibt noch unverändert).
06.10.: die Beleuchtungsdauer wird ab heute täglich um 15 Minuten verkürzt. - Bis zum 25.10. werden es also 5 Stunden weniger sein. 
Wir werden anschließend das gesamte Licht ausschalten. Da im Terrarienraum auch Terrarien stehen, deren Bewohner keine Winterruhe einlegen, bleibt tagsüber auch weiterhin ein kleiner Rest an Licht im Raum. - In dieser Zeit wird bei uns ein Platz für den Wassernapf gewählt, der unmittelbar hinter der Scheibenöffnung liegt, damit die Tiere später nicht durch unnötiges Hantieren im Terrarium gestört werden. Der Wassernapf wird weiterhin täglich gereinigt und mit frischem Wasser gefüllt.

Bartagame beim klettern Inwieweit die Heizung komplett abgeschaltet werden kann, ergeben die täglichen die Messungen. Es spielt dabei auch eine Rolle, wie die Außentemperaturen sind. Unser Terrarienraum ist nicht unterkellert und kann u.U. bei starkem Bodenfrost sehr auskühlen. Von daher können wir nicht pauschal die Heizungen komplett abschalten.
In diesem Winter hingegen war es bis Ende Dezember extrem mild draußen. Leider hatte dies auch zur Folge, daß die adulten Bartagamen trotz reduzierter Beleuchtung und Temperatur überhaupt nicht an eine Winterruhe dachten. Sie waren aktiv wie immer und hatten auch Hunger wie immer. Die über Thermostat geregelte Heizung konnte ganz abgestellt werden. Das die Bartagamen während der Winterruhe keine Wärme von unten bekommen sollen, ist wichtig, um einer Dehydration vorzubeugen. Bei eingeschalteter Heizung kann es passieren, daß die Tiere während der Ruhephase einfach austrocknen.


Die Temperaturen in unserem großen Terrarium in dem die Adulttiere leben, lagen so um 18°C am Tage. Wie erwähnt, war aufgrund des milden Wetters nicht mehr (weniger) erreichbar. Nachts konnte ich im Durchschnitt Werte von 15°C messen. 
Im Terrarium der Jungtiere war es etwas anders, denn dies hat einen für die Winterruhe günstigeren Standort und besteht zudem aus Vollglas. Vollglasterrarien sind zum Zweck der Temperaturregelung einfach besser geeignet, da Glas die Wärme besser freigibt (also schlechter isoliert). Hinzu kommt der Standort in der Nähe der Fenster. Das dort lebende Männchen, zog sich Mitte Oktober zurück und kam während der folgenden Wochen nur zum Trinken hervor. 

In anderen Wintern planen wir eine Ruhephase von mindestens sechs Wochen, länger wäre besser. (Hier im Norden setzt der Winter meist erst im Januar ein, aber normalerweise ist es ab Dezember bereits sehr kalt.) Hierbei kommt es wieder darauf an, inwieweit die Tiere sich umstellen. Kommen sie relativ früh (schon während der Einleitung) in Ruhe oder erst, wenn das gesamte Licht erloschen ist? An diesem Verhalten wird die Zeit der Winterruhe angepasst. Auch das Ende der Ruhezeit bestimmen die Bartagamen mit. Meistens werden sie nach einer gewissen Zeit von allein wieder aktiv, dann wird die Ruhephase langsam ausgeleitet.
Das heißt, Anfang bis Mitte Dezember (evtl. auch später) werden wir die Beleuchtung wieder einschalten. Zunächst acht Stunden, dann wieder täglich um 15 Minuten auf 14 Stunden steigern. Bezüglich der Heizung bleiben weiterhin die Außentemperaturen zu berücksichtigen. Da muß man durch entsprechende Messungen sehen, wo der Bedarf liegen wird.
Zum Ende des Monats Dezember (oder im Januar) wird die Winterruhe voraussichtlich abgeschlossen sein. Man sollte sich da aber immer an den Tieren orientieren. Schlafen sie länger, läßt man sie gewähren, zeigen sie sich früher in Aktivität, muß man die Winterruhe beenden.

Es ist wohl zu befürchten, daß sich die allgemeinen Klimaveränderungen insoweit bemerkbar machen, daß man einfach mit solchen Wintern, die wir aus unserer Kindheit kennen, nicht mehr rechnen kann. Für uns speziell bin ich daher nach den Erfahrungen dieses Winters am Überlegen, die gesamte Reptilien-Haltung etwas zu verändern. Wir planen (mal wieder), unseren Terrarienraum umzugestalten. Wenn es irgendwie möglich sein wird, werden dann kleinere Zusatzterrarien eingerichtet, die im Sommer der Aufzucht von Jungtieren dienen können und im Winter für alle Tiere genutzt werden, die eine Winterruhe benötigen. Wir wollen dabei gleich berücksichtigen, daß die Standorte dieser Terrarien dann kühl sein sollen, um einfach im Winter bessere Werte erreichen zu können. Im Sommer, zur Aufzucht kann man die Sonne nutzen und im Notfall zusätzlich heizen. Heizen ist einfacher als kühlen ... diesen Plan umzusetzen erfordert allerdings neben Geld auch Unmengen an Zeit. Ob wir es daher bereits zum nächsten Winter schaffen, ist nicht zu sagen, aber ein langfristiges Ziel wird es unbedingt sein. Portrait

 

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© R. Kohlmeyer 1999 - 2001

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