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Riesenschlangen (Arten Pfeil )

Klasse: Reptilia - Kriechtiere
Ordnung: Squamata - Schuppenkriechtiere
Unterordnung: Serpentes - Schlangen
Familie: Boidae - Riesenschlangen



Riesenschl_verbreitung Die Riesenschlangen kommen in großen und sehr großen Arten vor, aber auch kleinere Formen mit wühlender Lebensweise gehören zu dieser Familie. Riesenschlangen leben in der Alten und Neuen Welt. Man unterteilt sie in vier Arten: Boas, Pythons, Spitzkopfpythons und Bolyer-Schlangen.
Links die Verbreitungsgebiete der Riesenschlangen
(Vergrößerung durch Anklicken des Bildes)

Häufig werden diese Schlangen falsch bezeichnet, daher erlaube ich mir zu Beginn den Hinweis: die korrekte Bezeichnung der Schlangen lautet: die Boa (Mz. Boas) und der Python (Mz. Pythons).

Alle Riesenschlangen sind Würgeschlangen, also ungiftig. Alle Riesenschlangen (außer den Bolyeria-Arten) verfügen über Reste der Beckenknochen, was der evolutionären Entwicklung zuzuschreiben ist. Andere Schlangen haben diese Beckenknochen nicht mehr, dürften daher später entwickelt sein. 
Das Sehvermögen ist je nach Lebensweise der Arten unterschiedlich. Nach derzeitigen Erkenntnissen geht man davon aus, daß rein Bodenbewohnende Arten weniger gut sehen als Baumbewohner oder etwa die im Wasser lebenden Arten. Zum Erkennen der Beute dienen neben dem 'Jacobsonschen Organ' die mit der Zunge (züngeln) aufgenommenen Duftstoffe. Die Schlangen schieben dazu die Zunge in kurzen Abständen aus dem Zungenkanal nach außen. Dabei nimmt die gespaltene Spitze die entsprechenden Stoffe auf. Im Maul befinden sich zwei kleine Öffnungen (zum Riechnerv), in die die Zunge die Stoffe befördert. Man geht davon aus, daß Schlangen auf diese Weise auch Geräusche aufnehmen können und damit mehr hören, als gemeinhin angenommen. Wärme wird durch die Infrarotstrahlen wahrgenommen. Hierzu verfügen einige Boas und alle Pythons über eine Art Detektoren, die sich in mehreren kleinen Öffnungen (thermorezeptive Gruben) in den Ober- und Unterlippenschilden befinden. Diese Gruben sind gut zu sehen und verleihen dem Schlangenkopf ein noch markanteres Aussehen.
Riesenschlangen im Terrarium sind stets etwas Besonderes. Sie haben eine unbeschreibliche Ausstrahlung von Ruhe und Gelassenheit. Durch ihre Eleganz und Gewandtheit sind sie immer ein herrlicher Anblick.

WICHTIG: Vor dem Kauf einer Riesenschlange muß man sich darüber im Klaren sein, welche Endgröße sie eines Tages erreichen wird. Man muß sich vor der Anschaffung informieren, welche Terrariengröße einen in der Zukunft erwartet! Leider kommt es immer wieder vor, daß die Tiere als 'Babyschlangen' angeschafft werden. Wenn sie dann die 2m-Grenze erreichen, werden sie verzweifelt zum Verkauf angeboten oder landen bei Händlern oder gar in der Kühltruhe... (das ist kein Scherz!). - Eine weitere Überlegung sind die Futterbeschaffung und die damit verbundenen Kosten. Immer wieder hört man von Leuten die sich Reptilien anschaffen, dann aber den Weg zum Zooladen zwecks Futterkauf als zu anstrengend empfinden! Man darf sich auch nichts vormachen, Futter kostet Geld! Selbstverständlich frißt eine ausgewachsene Riesenschlange mehr als eine Natter und selbstverständlich sind damit höhere Kosten verbunden.
Auch muß man wissen, daß man aus Sicherheitsgründen ständig mindestens eine weitere Person benötigt, die den Umgang mit so einem Tier nicht scheut! Warum? Ganz einfach: Tiere, und sind sie noch so zahm, bleiben unberechenbar. Für den Notfall muß immer jemand anwesend sein, der wohlüberlegt eingreifen kann und letztendlich auch bereit und fähig ist, ein Tier zu töten - nämlich dann, wenn es sich unlösbar um den Pfleger gewunden hat. Eine große, kräftige Schlange vom Arm eines Menschen zu befreien, ist nicht einfach und kann zu einem unlösbaren Problem werden! Bei Tieren, die eine entsprechende Größe erreichen, wird man auch mehr als einen Helfer benötigen. Eine alte Faustregel besagt: pro Meter Schlange eine Person.
Wir selbst haben es uns von Anfang an zur Regel gemacht, daß die Schlangenterrarien nur geöffnet werden, wenn wir zu zweit sind - also niemals eine Person allein mit Riesenschlangen umgehen. Für evtl. krankheitsbedingte Ausfälle bei uns, wurden unsere erwachsenen Kinder eingewiesen, mit den Tieren umzugehen und sie zu versorgen.  

Boas: Viele Boas leben in Amerika, einige in der Alten Welt, wie zum Beispiel auf Madagaskar die Madagaskar-Boa (Acrantophis madagascariensis), in Vorder- und Mittelasien, Afrika und Südosteuropa (Sandboas der Gattung Eryx). Auf den Südseeinseln leben die Südseeboas (Gattung Candoia). - Die bekannteste Boa ist die Abgottschlange oder Königsboa (Boa constrictor). Von Mexiko bis Nordargentinien ist die Anakonda (Eunectes) zu Hause. Die Grüne Hundskopfboa (Corallus caninus), die Zwergboas (Gattung Lichanura) und die Gartenboa (Corallus enhydris) leben im nördlichen Brasilien bis in die USA hinein.

hundskopf

Boas erreichen sehr unterschiedliche Größen. So wird die Sandboa (Charina bottae) mit 60cm angegeben, die Indische Sandboa mit 1m, die Madagaskar- Boa mit 3m, die Boa constrictor mit 4m und die grüne Anakonda mit bis zu 9m.

Boas leben meist in feuchten, wasserreichen Gegenden. Während die leuchtend grün gefärbte Hundskopfboa (Corallus caninus, linkes Foto) überwiegend auf Bäumen und Sträuchern lebt und sich von Vögeln und Echsen ernährt, ist die amerikanische Schlankboa (Epicrates) in Felshöhlen und Steinhaufen gefunden worden. 
Die Sandboas sind in ihrer Lebensweise den Bedingungen der Halbwüste angepaßt: Ein nicht abgesetzter Kopf erleichtert die Fortbewegung im Boden/Sand und ein kurzer, stumpfer Schwanz verhindert, daß das Tier irgendwo hängen bleibt.

Boas sind lebendgebärend. Sie werfen ihre Jungen nach ca. 6-10 Monaten Trächtig- keit (je nach Art). Obwohl Boas nicht als kannibalisch gelten, so fressen sie dennoch ihre Totgeburten und kranke Jungtiere unmittelbar nach der Geburt. Der Grund ist, daß kein Feind angelockt werden soll, um die gesunden Jungtiere zu schützen. Eine Brutpflege wird nicht geleistet.

Hundskopfboa (Corallus caninus)


Netzpython

Pythons: Die Pythons leben nur in warmen Regionen der Alten Welt: Afrika bis zu den Philippinen und Australien. Die kleineren Arten leben überwiegend auf Bäumen, die großen Arten halten sich -bedingt durch ihr Körpergewicht- vornehmlich am Boden auf, wo sie sich tagsüber in Höhlen verstecken und nachts zur Jagd hervorkommen. 

Anders als Boas, tragen Pythons zwei Reihen von Zähnen im oberen Gaumen. Die meisten Pythons haben einen recht plumpen Körper und einen kurzen Schwanz. Der Kopf ist deutlich vom Körper abgesetzt und hat eine verlängerte Form.

Der asiatische Tigerpython (Python molurus) kann bis 6m lang werden, der Netzpython (Python reticullatus) bis zum 9m lang. - Der Rautenpython (Morelia argus) lebt in Australien und Neuguinea, der Amethyst-Python (Morelia amethistina) stammt aus Indonesien und Australien und soll bis 8m Länge erreichen. Die kleinsten Pythons sind die Australischen Felsenpythons (Antaresia) mit Größen von 70 bis 150cm, je nach Art.
 

Tigerpython 
(durch Anklicken kann das Bild vergrößert dargestellt werden)

Ein nur auf Bäumen lebender Python ist der Grüne Baumpython (Morelia viridis), besser bekannt unter der alten Bezeichnung 'Chondropython'. Er hat, wie sein amerikanisches Gegenstück, dem Hundskopfschlinger (Boa); einen als Greiforgan ausgebildeten Schwanz und ist der gleichartigen Boa auch sonst zum Verwechseln ähnlich. - Der afrikanische Erdpython (Calabaria reinhardti) ist eine grabende Schlange.

Alle Pythons sind ovipar (eierlegend). Nach einer Trächtigkeit von etwa 2 Monaten legen die Weibchen die Gelege an geeigneten Plätzen ab, um sie dort anschließend zu bebrüten. Die Weibchen schlingen sich um das Gelege und beginnen mit thermoregulatorischen Muskel- zuckungen. So gewährleistet es die optimale Temperatur für das Gelege. Das Weibchen verläßt nur selten das Nest. - Diese Fähigkeit des Bebrütens gibt es  nur bei den Pythons.


Hier einige näher beschriebene Arten:

Schlankboas Epicrates, verschiedene
Boas Abgottschlange Boa constrictor
Anakonda Gelbe Anakonda Eunectes notaeus
Grüne Anakonda Eunectes murinus

Chondro Baumpython Morelia viridis (Chondropython)
Felsenpython, Australien Antaresia
Gefleckter Felsenpython Liasis childreni (von 1999)
P. regius Königspython Python regius
Anakonda Kurzschwanzpython Python curtus
variegata Teppichpython Morelia spilotes variegata
Tigerpython Tigerpython Python molurus


 

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