Nagerseite zu Mausarten

Afrik. Streifen-Grasmaus (Lemniscomys striatus)


Die tagaktive, scheue afrikanische Streifen-Grasmaus gehört zu den Langschwanzmäusen. Die Färbung ist recht hübsch: dunkle und helle Längsstreifen auf braun-grüner Fellfarbe, mit heller Unterseite.  Die Streifen-Grasmaus erreicht eine Körperlänge von bis zu 14cm und eine Schwanzlänge von bis zu 15cm. Sie bewohnt weite Teile des Kontinentes: Graslandschaften, Wälder und Savannen. Sie baut Grasnester aus fein zersplissenen Halmen, in denen die Weibchen auch ihre 2-5 Jungen zur Welt bringen. Grasmäuse ernähren sich vegetarisch, zarte Pflanzenteile werden bevorzugt, Insekten werden eher selten gefressen.
Meine persönlichen Erfahrungen weichen hiervon etwas ab. Ich pflegte diese Tiere etwa zwei Jahre lang und hatte täglich viel Freude an ihnen. Des Öfteren überlege ich, mir wieder welche anzuschaffen...

Terrarienhaltung: eigene Erfahrung! Ich hielt meine Tiere (1 Männchen mit 3 Weibchen)  in einem ausrangierten Aquarium von 120x40x40cm (LxBxH). Als Abdeckung verwendete ich einen Gazedeckel, eine Lampe diente als Licht- und Wärmequelle. Der Behälter war an zwei Seiten beklebt, so daß die Tiere Rückzugsmöglichkeiten hatten. Als Einstreu wählte ich verschiedene Substrate: In die hintere Ecke kam eine Pappschale mit Vogelsand zum Baden. Der restliche Boden wurde mit einer dicken Schicht Biostreu aus Preß-Stroh ausgefüllt. Darauf kam eine Schicht Kleintierstreu. Es ergab sich daraus eine Höhe von ca. 5cm Einstreu. Einige kräftige Kletteräste stellte ich so auf, daß sich ein kleines Gestrüpp bildeten. Ein größerer Stein, Futter- und Wassernapf machten die Einrichtung komplett. Dazu gab ich sehr viel Heu in das Becken.

Die Mäuse brauchten nicht lange, um sich einzugewöhnen. Eine Scheu kann ich nicht bestätigen. Jeden Tag zum Füttern kamen sie von ihrem Ast herunter, setzten sich in den Napf und warteten darauf, gestreichelt zu werden. Hatten sie ihre Streicheleinheiten, eine nach der anderen, verließen sie den Napf, setzten sich nebenher und warteten auf frisches Futter. Dann fraßen sie in Ruhe und kletterten anschließend wieder auf die Äste.

Ja, die Streifen-Grasmäuse klettern gern und legen sich im Gestrüpp immer übereinander gekuschelt zum Schlafen oder Ausschau halten. Je mehr Tiere beisammen sind, desto höher werden diese 'Pyramiden' aus Tierkörpern aufgebaut. Ich vermute, dieses Verhalten ist eine Schutzmaßnahme gegen Fressfeinde. Als 'Haufen' sind sie nicht als Einzeltiere zu   erkennen und kaum zu erbeuten. Was noch zur Tarnung hinzukommt sind neben der grünlichen Grundfarbe und dem Streifenmuster die Schwänze. Die Grasmäuse lassen sie ganz entspannt herunter hängen. Es sieht dann aus wie Astwerk. Eine perfekte Tarnung.


Ansonsten sind die Mäuse damit beschäftigt, Heu zu zerspleissen. Aus den härtesten Halmen werden in kürzester Zeit kleine längliche Stückchen geknabbert, aus denen sie ihre sehr weichen Nester bauen. Von etwa 500g Heu ist am nächsten Morgen kein ganzer Halm mehr zu finden. Was nicht zu Nestern verbaut wird, wird zunächst auf dem Boden verteilt. Aus diesen Flächen legen sie dann, wenn genug Heu vorhanden ist, ein Gangsystem an. Es war sehr interessant zu beobachten, daß die Grasmäuse bestimmte Gänge zum Beispiel als Weg zum Futternapf benutzten und andere für den Rückweg. Niemals wurde der Hinweg auch als Rückweg benutzt - es glich einer Art Einbahnstraßensystem. Beim Saubermachen stellte ich dann fest, daß eine Kammer mit diversem Futter gefüllt war.
Also ist anzunehmen, daß sie in ihrem Terrarium Nester, Gänge und Kammern angelegt haben, ähnlich wie in Freiheit.
Haltung und Pflege: Streifen-Grasmäuse sind zwar pflegeleicht, aber für den Anfänger nicht unbedingt zu empfehlen. Die Tiere sind weder zum Schmusen noch zum Anfassen geeignet. Wie bei vielen anderen Mäusearten auch, brechen die Schwänze der Grasmäuse leicht. Man darf sie also niemals am Schwanz anfassen.
Tagaktiv? Ich kann auch das nicht bestätigen. Die Tiere erkennen sich nicht am Aussehen sondern nur durch Beriechen der Analregion. Auffallend ist, daß wenn sich zwei Tiere im Becken begegnen, die eben noch miteinander gekuschelt haben, nun nicht mehr kennen. Sie gehen in aufgeregter Haltung zuerst dazu über, den anderen zu beschnuppern. Stellen sie dann den richtigen Geruch fest, ist es gut. Sind sie unsicher, wird der andere zunächst gejagt und evtl. auch gebissen. Es läßt vermuten, daß auch der Geruchssinn nicht sehr gut entwickelt ist. Möglich wäre auch, daß der Duft des frischen Heues die Tiere unsicher macht. Jedenfalls ist stets damit zu rechnen, daß sich die Tiere angreifen.
Gibt man etwa einen großen Berg Heu in das Terrarium, wundert man sich, was davon am nächsten Morgen noch übrig ist: nichts! Tagaktive Tiere würden nachts schlafen und nicht Berge von Heu zerspleissen und Nester und Gänge anlegen.

Zu guter letzt ist anzumerken, daß die Streifen-Grasmäuse sehr große Augen haben, typisch für nachtaktive Tiere. Auch führte ich bereits an, daß sie gern am Tage auf ihren Ästen liegen und schlafen.


Die Pflege
der geruchlosen Tiere ist nicht sehr aufwendig. Meine Tiere setzten Kot und Urin stets neben den Futter- und Wassernäpfen ab, so daß dieser Einstreu-Bereich mit Hilfe einer kleinen Schaufel entfernt wurde. Das Substrat wurde entsprechend ergänzt und die sauberen Näpfe kamen wieder an ihren Platz. Die Terrarium selbst habe ich nur dann 'entrümpelt', wenn die Heuberge zu hoch wurden. Ansonsten habe ich mich bemüht, die Welt der Mäuse nicht zu zerstören.
 

Futter: das die Tiere Vegetarier sind, kann ich nicht bestätigen. Die Hauptnahrung besteht aus Sämereien und Heu/Gras, aber Insekten und Mehlwürmer werden auch gern genommen. An Samen und Körnern habe ich mit einer Mischung Einmal-durch-die-Futtertheke die besten Erfahrungen gemacht: Exoten-, Sittich-, Kanarien-, Papageien-, Mäusefutter plus alle möglichen Hirsesorten und Sonnenblumenkernen (weiße, dunkle nahmen meine Mäuse nicht). An Grünfutter liebten sie Löwenzahn, Vogelmiere, Eisbergsalat, Gras, Karottenscheiben und Paprika, Haselnüsse, Gurke.

Umgänglichkeit:
Die Grasmäuse sind, wie schon erwähnt, kannibalisch. Das bedeutet, daß sie Artgenossen nicht aus dem Revier vertreiben, sondern angreifen und auch töten und auffressen. Es ist daher schwer, den Tierbestand zu ergänzen bei Todesfällen. Ich selbst habe es einmal erfolgreich durchgeführt: eine Maus war gestorben und ich kaufte zwei neue, um meinen Bestand zu ergänzen und neues Blut einzubringen. Zu dem Zeitpunkt war das Terrarium mit einer Großreinigung fällig und so konnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Die Grasmäuse setzte ich in eine mit Heu gefüllte Fauna-Box und reinigte das Terrarium. Die Mäuse waren sehr aufgeregt und flitzten wild durch die Box. Diesen Umstand nutzte ich. Kurz bevor ich die Tiere einsetzte, kamen die zwei Neulinge zu den anderen in die kleine Box. Die waren noch am springen und bemerkten die Neuen nicht direkt. Ich wartete kurz. Da es zu keinerlei Beißerei kam, setzte ich alle Tiere gleichzeitig ins Terrarium. Es funktionierte. Die anfänglichen wilden Spiele hörten bald auf und alle vertrugen sich. Das muß aber nicht immer klappen. Bekannte versuchten auf die gleiche Weise, Zuwachs zu integrieren, mit negativem Erfolg. Bei dem Versuch, eine Grasmaus vor den anderen zu retten, wurden sie sogar sehr heftig gebissen. - Man muß seine Tiere also sehr gut kennen und geht auch dann ein hohes Risiko ein.
Ansonsten kommt es immer wieder vor, daß die Tiere sich nicht erkennen und einfach angreifen. Aus welchem Grund das so ist, konnte ich nicht eindeutig herausfinden, ich denke aber, es hängt damit zusammen, daß sie keine gut ausgebildeten Sinnesorgane besitzen und sich daher nicht sicher sind, ob sie Freund oder Feind vor sich haben.

 

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© R. Kohlmeyer 1999 - 2007

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