Ratten - Haltung und Zucht


Eines zu Beginn: Hier geht es um Nager - Haltung und Zucht

Ob diese Nager dann als Liebhabertiere oder als Futtertiere Verwendung finden,
bleibt jedem selbst überlassen.

 

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Ratten zählen zu den Nagern. Man unterscheidet zwei Arten: die Wanderratte (Rattus norvegicus) und die Hausratte (Rattus rattus). Ratten sind intelligente Tiere mit einem ausgeprägten  Sozialverhalten. Sie besitzen ein Gebiss mit je einem Paar Schneidezähnen in Ober- und Unterkiefer. Diese Nagezähne wachsen ständig nach und werden durch ständiges Nagen kurz und scharf gehalten. Nage- und Backenzähne sind durch eine Lücke getrennt. Dadurch ist es ihnen möglich, sogar Metalle wie Blei, Aluminium, Kupfer und Blech durchzunagen.

Haus- und Wanderratten sind Allesfresser. Die Hausratte bevorzugt jedoch eher pflanzliche Kost, während Wanderratten auch gerne mal einen Happen Fleisch zu sich nehmen. Die Hausratten bevorzugen warme und trockene Plätzchen in den oberen Etagen von Häusern. Da man heute vermehrt Dachböden als Wohnraum ausbaut, wurde der Hausratte der Lebensraum entzogen. Inzwischen gilt die Hausratte in Mitteleuropa als vom Aussterben bedroht.
Wanderratten leben bevorzugt im Untergrund. Sie bevölkern mit Vorliebe die Gänge der städtischen Kanalisationen oder sie und legen sich weit verzweigte, unterirdische Gangsysteme an.

Ratten bilden zum Schutz vor Feinden große Gruppen (Sippen). Sie senden Vorkoster zu neuen Futterstellen, wodurch sie sich vor ungenießbarer Nahrung schützen. Auch der Nachwuchs wird gemeinsam aufgezogen. Somit überleben die Jungen, falls die Mutter während der Säugezeit zu Schaden kommt. Innerhalb der Sippe herrscht eine strenge Rangordnung. Es kommt daher durchaus vor, dass heftige Rangkämpfe ausgefochten werden.

 

Die Haltung von Farbratten

ratte Als Farbratten bezeichnet man die 'normalen' bekannten Ratten, wie sie wohl jeder aus seinem Zoohandel kennt. Dabei spielt die Farbe keine Rolle. Da man an der Haltung und Zucht auch Freude haben sollte, wählt man sich Tiere, die einem ganz persönlich gefallen. Für Liebhaberhaltung ist dies so und so Bedingung. Warum also nicht mit Tieren beginnen, die man als 'schön' empfindet? (Wo man kauft, steht im allgemeinen Teil zu lesen). Nur eines bitte: niemals eine Ratte allein halten. Es sind gesellige Tiere, die mindestens einen Partner benötigen. Ein Ersatz kann ein Mensch niemals werden!
Übrigens: der Rattenschwanz ist nicht nackt. Er ist von feinen Schuppen und Härchen bedeckt. Mit dem Schwanz kann die Ratte ihre Körpertemperatur regeln. Gleichzeitig ist er ein wichtiges Hilfsmittel zum Klettern.

 

Bevor man sich Ratten anschafft, geht es um den richtigen Käfig. Der Handel hält leider keine speziellen Rattenkäfige bereit, weil die Hersteller zwei Dinge leider nicht berücksichtigen: a) wie soll ein Rattenkäfig aussehen, b) es besteht ein echter Bedarf. - Ein passendes Heim sollte so groß wie möglich sein. Manchmal findet man geeignete Vogelvolieren oder Chinchillakäfige. Als Maß für 2-3 Tiere sollte man 80x50x50cm (LxBxH) nicht unterschreiten. Um den Ratten aber einen wirklichen Lebensraum bieten zu können, soll der Käfig wesentlich größer gewählt werden (Selbstbau). Der Käfig soll rattengerecht sein, gut aussehen und in die Wohnung passen. Das läßt sich mit relativ wenigen Mitteln und geringem Kostenaufwand verwirklichen. Eine kleine Bauanleitung gebe ich auf der Extraseite.  

Ratten mögen es weder sehr warm, noch lieben sie extremes Licht. Das muß berücksichtigt werden, wenn der passende Käfigplatz gesucht wird. Selbstverständlich darf es keinerlei Zugluft geben! Man sollte direkte Sonneneinstrahlung bei der Wahl des Käfigstandortes vermeiden. Der Käfig soll zwar hell, aber bitte nicht auf der Fensterbank aufgestellt werden. Auch ein Platz unmittelbar neben Türen ist ungeeignet. Die Luftfeuchtigkeit darf nicht hoch sein in dem Aufstellungsraum (weder Küche noch Bad). Ratten vertragen keine hohe Luftfeuchtigkeit! Richtig liegt man, wenn man sich selbst in dem Raum wohl fühlt.
Ja, es stimmt: Ratten sind erheblich empfindlicher in der Haltung als beispielsweise Farbmäuse oder Wüstenrenner.

Die Einstreu besteht aus der handelsüblichen Kleintierstreu. Eine Schicht von 3-4 cm aufgelockerter Streu wird in den Käfig eingebracht. - Möglich ist es auch, die Biostreu aus gepresstem Stroh zu verwenden. Diese Streu ist etwas teurer, aber für den 'kleinen' Bedarf durchaus eine Überlegung wert.
Weiter wird ein
Schlafhäuschen bereit gestellt. Gute Erfahrungen habe ich sowohl mit Holzhäuschen als auch mit Kunststoffhäuschen gemacht. So ein Schlafhaus sollte nicht zu klein gewählt werden, ich denke, die Maße von 20x15cm sind für 2-3 Tiere angebracht. Keine Angst vor Holz - bei richtiger Fütterung werden die Häuschen zwar mit der Zeit angenagt, aber es hält sich in Grenzen. Die Pflege von Holzgegenständen ist unproblematisch. Man spült alle Teile einmal wöchentlich unter sehr heißem Wasser ab (wenn's sein muß mit Bürste scheuern), ohne Zusatz irgendwelcher Spülmittel. Dann läßt man sie kurz trocknen und stellt sie wieder zurück in den Käfig.
Ein Laufrad halte ich für erwachsene Tiere für überflüssig. Ich habe bei meinen Ratten festgestellt, daß die meisten Ratten keine Lust am Rennen haben. Jungtiere allerdings gehen mitunter sehr gern im Laufrad toben. Wenn aber ein Laufrad, dann ein sehr großes. Ich habe welche von 20cm Durchmesser getestet, damit klappt es. Es darf aber gern noch größer sein. Die Geschichten über abgeklemmte Gliedmaßen oder Schwänze kann ich nicht bestätigen, aber wie gesagt, die meisten Ratten laufen eh nicht... Inzwischen gibt es im Handel neue Laufräder, die eine abgeschirmte Befestigung haben, die man am oberen Käfiggitter anbringen kann. Erfahrungen darüber sind mir bisher nicht bekannt.

Frust Damit wäre der Käfig fast fertig. Es fehlt noch diverses Kletter- und Spielgerät. Da bietet der Handel eine Menge an (Papageienleitern, -stangen, Klettergerät). Man kann seiner Fantasie freien Lauf lassen und endlos basteln und bauen. Kräftige Kletteräste werden geliebt, genauso Stofflappen und dicke Kletterstricke. Ganz besonders gern mögen Ratten Hängematten. Die kann man leicht basteln: ein altes Handtuch an den Ecken aufgehängt, fertig...

Ein Futter- und Wassernapf oder eine Tränkflasche sind selbstverständlich. Wähle einen großen, schweren Futternapf. Dieser Napf wird so aufgestellt, daß die Tiere von allen Seiten Zugang haben: Ratten sind sehr gesellig und gehen meistens gemeinsam zum Fressnapf! Wassernäpfe setze ich oft (wenn möglich immer) in die Käfige, obwohl ich immer zusätzlich auch Tränkflaschen benutze. Das hat einen einfachen Grund: Ratten waschen sich gern. Man kann oft beobachten, wie sie am Napf sitzen, die Vorderpfötchen naß machen, um sich dann Nase und Kopf zu 'waschen'. Für das Trinkwasser sind Tränkflaschen besser geeignet, weil das Wasser sauber bleibt. Aber bitte keine Flaschen aus Glas und / oder mit Glas-Trinkröhrchen kaufen. Die Nager würden sie schnell zerbeißen - die Folgen brauche ich hier nicht aufzuzeigen.

Geruch von Ratten wird oft als unangenehm bezeichnet. Wenn der Uringeruch trotz regelmäßiger Käfigreinigung stören sollte, kann man einen kleinen Trick anwenden: in die Käfigecken gibt man jeweils eine Messerspitze Haushaltsnatron unter die Streu. Dadurch wird der Geruch neutralisiert.

Für Futtertierhaltung gilt im Prinzip alles gesagte, nur in etwas anderen Dimensionen. Was dann? Vorab: ich gehöre nicht zu den Verfechtern der sog. Macrolon-Boxen - bin aber auch nicht strikt dagegen. Für eine Dauerhaltung halte ich diese Dinger allerdings für ungeeignet. (Für Leser, die Makrolohn-Wannen nicht kennen: es handelt sich um Kunststoff-Wannen (Macrolon) in entsprechender Größe - je nach Tierart -, die mit einer Abdeckung aus Stahlgitter versehen ist. Durch ein besonderes Schließpatent sind die Wannen absolut sicher verschließbar. Der Nachteil: In das Abdeckgitter ist halbseitig eine große Vertiefung eingelassen zur Aufnahme von Futter und Tränkflasche. Durch die dadurch entstehende Verkleinerung der Box fällt praktisch die halbe Fläche weg. Ein Klettern ist den Tieren kaum möglich und ein Rattenschlafhaus kann man völlig vergessen. Ein weiterer Nachteil bei neueren Boxen ist der, daß diese aus farblosem Material bestehen. Die Tiere haben keine Möglichkeit, sich zurückzuziehen. - Die Macrolon-Wannen werden hauptsächlich in der Laborhaltung verwandt.
Was einem bleibt, ist auch hier der Selbstbau. Der Platzbedarf muß vorher genauestens durchdacht werden, damit man nicht über seine Grenzen hinaus plant. Was Einrichtung und Einstreu betrifft, mache ich keinen Unterschied zwischen einer Haltung von zwei Tieren und einer Haltung von 20 Tieren. Bei mir haben alle Tiere ein Schlafzimmer, Klettermöglichkeiten und Platz zum spielen und träumen.

Futter: Was füttert man nun am besten? Zunächst stellt sich die Frage nach dem Nährstoff- und Vitaminbedarf der Tiere. Die Futterzusammensetzung muß auf das Tier abgestimmt sein.
Was benötigt eine Ratte? Hier alle Bestandteile des Bedarfs aufzuführen, wäre zu umfangreich. Im Rattenfutter ist viel wichtige Gerste enthalten, Haferflocken sind sehr gesund und vermindern auch wieder den Uringeruch. Am besten ist es, wenn man ein spezielles Pressfutter füttert, daß für Ratten und Kleinnager hergestellt wird. Dann kann man nichts falsch machen. Dieses Futter bekommt man meistens preisgünstig über den Landhandel. Verhandeln lohnt sich!
Zusätzlich kann man Gemüse und Obst anbieten. Von Zeit zu Zeit ein Kolbenhirse und einige Sonnenblumenkerne sowie ungeschälte Erdnüsse sind eine willkommene Abwechslung. Geliebt werden gekochte und rohe Nudeln, gekochter Reis (alles ungewürzt natürlich) und gekochte Kartoffeln. Löwenzahn und diverse Kräuter sind immer willkommen.
Eines noch: gib Deinen Ratten kein Heu! Heu beherbergt oft Eier von div. Ungeziefer, was zwar in der Regel nichts macht, aber die Ratten schleppen Heu in ihre Schlafnester, urinieren darauf und schon ist die beste Brutstätte für Milben und sonstiges geschaffen. Außerdem fängt das feuchte Heu innerhalb kürzester Zeit übelst an zu riechen. - Stroh hingegen ist bedenkenlos in kleinen Mengen nutzbar. Es saugt Feuchtigkeit besser auf und stinkt nicht. Allerdings sollte es kein Stroh frisch vom Feld oder aus Bauer-Nachbars Scheune sein. Auch hierin ist zuviel, was wir nicht wollen... Stroh kauft man in gereinigtem Zustand am besten im Zoofachhandel.
Nicht zu vergessen ist Wasser! Das es täglich frisch bereitstehen muß, dürfte selbstverständlich sein. Eine gelegentliche Zugabe von Vitamin-Präparaten hat sich beim Zuchteinsatz sehr bewährt. Aber Vorsicht bitte bei Tränkflaschen! Die Vitaminmittel sind meist ölhaltig. Die Tränkflaschen verschmieren so heftig, daß auch die beste Flaschenbürste machtlos ist. Also Vitaminzusätze immer im Napf reichen!

 

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© R. Kohlmeyer 1999 - 2007

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