Tiere in Mietwohnungen und Mietshäusern


Die Frage, ob Reptilien bei einem Vermieter angemeldet werden müssen, taucht immer wieder auf. Grundsätzlich ist die Haltung von Kleintieren erlaubt. Das darf ein Vermieter (auch wenn er möchte) nicht verbieten. Zu den Kleintieren zählen auch die meisten Echsen und Schlangen. Die Grundfrage ist somit mit einem 'nein, keine Meldung beim Vermieter' zu beantworten. Anders ist es dann bei wirklich großen Riesenschlangen und bei Giftschlangen, auch bei großen Waranen u.ä. Um hier keine Probleme zu bekommen, ist es durchaus ratsam, den Hausbesitzer zu informieren.

Zu den Reptilien gehört natürlich auch das Futter. Der Hausbesitzer muß eine Futterbevorratung akzeptieren, solange alles in einem angemessenen Verhältnis steht. Die Grenzen sind meines Wissens nicht klar definiert. Allerdings ist es nicht zu rechtfertigen, wenn man drei Schlangen hält und 200 Mäuse dazu - ebenso für fünf Echsen 1.000 Insekten. Außerdem darf man keine Schadinsekten halten. Damit sind z.B. einheimische Schaben gemeint. Wie das mit Heimchen aussieht, ist zweifelhaft und bei einem Rechtsstreit könnte (!) zu Ungunsten des Terrarianers entschieden werden. Um dem vorzubeugen sollte man bei jedem Hantieren mit den Insekten größte Vorsicht walten lassen und die Behälter nicht im Zugriffsbereich von kleinen Kindern verwahren.
Übrigens bei Heimchen fällt mir oft auf, daß die bei vielen Haltern sehr oft zu entkommen scheinen. So ganz verstehen kann ich das nicht. Wir haben in unserer langjährigen Echsenhaltung nie welche entwischen lassen. Das geht ganz einfach, indem man sie nach Lieferung in einen hochwandigen Behälter gibt und jeweils die nötigen Futtertiere dort direkt in Heimchendosen krabbeln läßt. Die Dosen verschließt man, öffnet das Terrarium, hält die Dose weit hinein und öffnet sie. - Das erste Problem trat bei uns erst auf, als wir Terrarien hatten, die nicht mit dem üblichen feinen Lochblech ausgestattet waren sondern mit grobem. Diese Becken befinden sich allerdings in einem Terrarienraum, wo dann Hausgeckos 'ausgesetzt' wurden, die das Problem bestens lösen (ist in einer Mietwohnung natürlich nicht unbedingt möglich).

Also, lasst Euch nicht verrückt machen, Terrarienhaltung ist nicht so einfach zu verbieten wie es manche gern hätten! Und mal ganz nüchtern betrachtet: warum auch? Von einem Terrarium geht keine Gefahr aus und mit Schäden des Mietobjekts ist auch nicht zu rechnen. Es wird aus einem Terrarium in der Regel kein Wasser austreten, daß durch die Decke zum Nachbarn tropft und still und geruchsneutral sind unsere Lieblinge auch. Für den Fall, dass man ein Tropenterrarium mit größerem Wasserbecken betreiben möchte, rate ich dann allerdings doch, dies dem Vermieter mitzuteilen (verstopfte Filteranlage kann bei entsprechender Wassermenge zu großen Schäden führen)


Nachfolgend ist zu lesen, was der Tierschutzbund dazu sagt - und wie widersprüchlich das in sich ist ...

Bekanntgabe durch den Deutschen Tierschutzbund e.V.:

Für die Wohnungssuche mit einem Tier gilt:

Kleintiere
Dazu zählt man Fische, Hamster, Kaninchen oder Meerschweinchen. Sie dürfen unabhängig vom Mietvertrag mit einziehen, auch wenn laut Mietvertrag Tierhaltung ganz verboten ist. Aber es gibt Ausnahmen:

Auch Frettchen sind Kleintiere, aber genehmigungsbedürftig - wegen ihres Gestanks.

Bei Ratten scheiden sich die Geister. Rattenfreunde halten die Tiere für sauber und harmlos. Einige Richter sehen dies anders. Sie haben ein Haltungsverbot bestätigt, weil Ratten Ekel hervorrufen könnten.

Vögel, wie zum Beispiel Wellensittiche, dürfen ohne besondere Einwilligung angeschafft werden. Die Ausnahme sind Papageien: Diese Exoten dürfen nur einziehen, wenn der Vermieter zugestimmt hat. Ihn zu überzeugen, ist einfacher, wenn der Papagei den Schnabel halten kann.

Hunde & Katzen gelten nicht als Kleintiere. Wer sie anschaffen will, muss den Mietvertrag und die Hausordnung beachten. Ein Mieter hat gute Chancen, den Wunsch nach einem Vierbeiner durchzusetzen. Nur aus schwerwiegenden Gründen, zum Beispiel bei Krankheit des Nachbarn, kann der Vermieter einen neuen Hausgenossen verweigern.
Er kann auch verlangen, dass das Tier wieder abgeschafft wird, wenn der Hund beispielsweise das Treppenhaus oder den Garten als Toilette benutzt. Wenn die Katze ihre Krallen statt am Kratzbaum am mitvermieteten Teppich wetzt, muss der Mieter zahlen.

Erlaubt der Mietvertrag ausdrücklich Hundehaltung, darf der Vermieter dies nur widerrufen, wenn sich die Tiere als gefährlich entpuppen oder mit lautem Gebell die Nachbarn nerven. Hunde und Katzen muss er zulassen, wenn er die Haltung schon anderen Mietern erlaubt hat. Auch wenn der Mietvertrag keine Regelung enthält, sollte der Vermieter bei Hunden und Katzen in Mehrfamilienhäusern um Erlaubnis gefragt werden. Immer erlaubt sind Tiere, auf die ihre Besitzer unbedingt angewiesen sind, zum Beispiel Blindenhunde. Auch Kinder dürfen ihre Vierbeiner meist behalten, wenn sie die Tiere zur psychischen Stabilität brauchen.

Exotische Tiere
Wer gefährliche Exoten in der Wohnung halten will, muss sich die Genehmigung vom Vermieter holen.

Vogelspinnen mögen manchem faszinierend erscheinen - Vermieter müssen die Begeisterung nicht teilen und können die Haltung verweigern.

Leguane und andere Echsen dürfen, da sie nicht giftig sind, gehalten werden, wenn der Mietvertrag Terrarienhaltung gestattet.

Auch Riesenschlangen dürfen sich mit ihrem Herrchen die Wohnung teilen, wenn der Mietvertrag Tierhaltung erlaubt. Gift- und Würgeschlangen allerdings muss niemand dulden.  *)

Aber: Artgerecht ist die Unterbringung von exotischen Tieren in einer Mietwohnung in aller Regel nicht. **)
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Gerichte klagen über eine wahre Prozessflut. Grundsatzurteile gibt es dennoch kaum. Denn der Streitwert wird meist so niedrig angesetzt, dass Berufungen selten möglich sind.

Wer sich über die Haustiere eines Nachbarn ärgert, sollte zuerst versuchen, sich mit diesem direkt zu einigen. Häufig bellen Hunde, weil sie zu lange in der Wohnung allein gelassen werden. Solche Umstände kann man ändern. Ist der Tierbesitzer jedoch uneinsichtig, kann man vom Vermieter fordern, dass er im Haus für Ruhe sorgt. Notfalls muss er den Störer abmahnen.

Weitere Auskünfte erteilt der Deutsche Tierschutzbund e.V. , Baumschulallee 15, 53115 Bonn


*) Den Absatz zu Schlangen habe ich mit Schmunzeln gelesen und nun frage ich mich, wozu gehören Riesenschlangen nach Meinung des Schutzbundes, wenn nicht zu den Würgeschlangen?
**) Auch Wellensittiche, Meerschweinchen, Burmakatzen und div. andere sind Exoten ...

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