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Terrarienbau


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Bau meines Tropenterrariums

Es gibt bereits genügend Sites im WEB, die sich mit diesem Thema beschäftigen, aber wie so oft: wenn man selbst etwas spezielles sucht, kommen die Schwierigkeiten, die richtigen Antworten zu finden. So entschloss ich mich, hier auch einmal meine Erfahrungen zum Besten zu geben. Vielleicht sind ja noch für den einen oder anderen Leser Tipps dabei.

Wie in der Überschrift angekündigt, will ich ein Tropenterrarium bauen. Es soll junge Stirnlappenbasilisken (Basiliscus plumifrons) beherbergen, für die ersten Lebensmonate. Grobe Vorstellungen, wie das fertige Terrarium aussehen sollte, hatte ich im Kopf. Dazu fertigte ich eine grobe Strichzeichnung an, um beim Einkauf kein Material zu vergessen. Zuerst ging ich natürlich in meinen Zoofachhandel und holte Preise für Glasterrarien ein. Gegen die Preise war nichts einzuwenden, aber der Bau nach meinen Wünschen würde gute zwei Wochen dauern. Das war mir zu lang, weil meine neuen Tiere bald kommen würden und ich bereits durch private Probleme drei wertvolle Wochen verloren hatte. 
So überlegte ich, welche Baustoffe für einen Selbstbau in Frage kommen würden. Gern hätte ich einige der neu auf dem Markt befindlichen Kunststoffplatten ausprobiert, aber wie gesagt, die Zeit fehlte. Glas kam diesmal auch nicht in Frage, da ich das Becken völlig allein bauen mußte. Mein Mann fiel aus, wegen Krankheit. Ich hatte damit niemanden zum festhalten der Platten (und anmaulen, wenn was nicht klappt...). So wählte ich Styropor als Baustoff. Die Verarbeitung sollte ja, nachdem was man so las, einfach sein. Ein Mini-Terrarium aus Styropor hatte ich schon mal gebastelt, das war kein Ding gewesen. Jetzt sollte es aber ein richtig großes Terrarium werden. So ein Teil muß schon sorgfältig geplant sein, damit es auch stabil und dauerhaft ist. Also ab in den Baumarkt und Fachverkäufer geschnappt. Der Mann war wirklich vom Fach! Er konnte mir sehr gute Ratschläge geben. Zuerst riet er von normalem Styropor ab, da man es nicht auf Stoß verbinden kann. Kleber hält da nicht. Er zeigte uns dann Platten aus Styrofoam, die speziell zum Bauen von Behältern gedacht sind. Das tollste an den Dingern ist, daß sie Nut und Feder haben. Ein Zusammensetzen größerer Flächen geht damit viel einfacher. - Nun, kurzum, diese Platten wählten wir aus, den passenden Kleber dazu und auch gleich Fugenspachtel, der für die Versiegelung der Oberfläche der Innenlandschaft gedacht war (schließlich bin ich Optimist, so ein Terri ist ja schnell zusammengebastelt).

Material Das Material war ja nun schon mal zu Hause. Einen Innenfilter und eine Wasserpumpe hatte ich mir im Zooladen besorgt. An Kork-Ästen hielt ich immer einen gewissen Vorrat, andere Äste wuchsen noch draußen und ahnten noch nichts von ihrem Schicksal ... Frontscheiben und die Glasführungsprofile wollte ich beim Glaser holen, aber das hatte ja noch ein wenig Zeit.
Nun wurde die grobe Skizze für das Terrarium verfeinert, denn jetzt lagen die realen Maße der Platten vor. Es ist immer günstiger, wenn man da ein wenig flexibel ist, damit man sich unnötigen Verschnitt erspart. Die gekauften Platten haben ein Maß von 120x60 cm. So war die Größe des Terrariums klar: 120x90x120 cm (LxBxH). Es sollte ein Wasserbecken und einen Bachlauf bekommen . 

Als Wasserbecken hatte ich mir eine Garten-Vogeltränke oder ähnliches vorgestellt. Das Garten-Center, wo ich sonst immer meine Pflanzen kaufe, hat zur Zeit wegen Komplett-Umbau geschlossen, wie passend! - Habt Ihr schon einmal versucht, im Winter ein Vogeltränke zu kaufen? Nachdem wir im dritten Gartencenter unter mitleidigen Blicken eine Absage erhielten, beschloss ich das Thema zu streichen. Gut, es hätte welche gegeben: Terrakotta mit fetten Engeln besetzt ... An Alternativen kamen noch Aquarien oder eine direkte Gestaltung des Innenbereiches zu einem Teich  in Frage. Ein Aquarium hätte den Vorteil, wasserdicht und mobil (praktisch bei größeren Reinigungsarbeiten) zu sein. Nachteil: die Innenwände sind sehr steil - für Fische gut, aber Echsen wollen das Becken ja auch wieder verlassen ... das Gewicht eines leeren Aquariums ist auch nicht zu unterschätzen. - Eine Integration des Teiches in die Landschaft würde optisch sicher sehr schön sein aber es wäre umständlich mit der Reinigung des Beckens. Andererseits sollte die Unterkonstruktion der Landschaft aus Styropor und PU-Schaum entstehen, da wäre ein integrierter Teich natürlich gut machbar und der Terrarienboden würde nicht durch zusätzliches Gewicht belastet.

Ich entschied mich für einen selbstgebauten Teich. Nächste Überlegung: das Wasser muß beheizt werden. Bei einem Aquarium könnte man unter das Becken eine Heizmatte legen. Das wäre auch kein Problem, wenn die Heizung eines Tages wegen Defekt ausfallen würde, denn sie wäre leicht zu entnehmen. Bei einem künstlichen Teich könnte man einen kleinen Aquarien-Heizstab hineinlegen, aber würde der nicht zu heiß werden, wenn die Reptilien den dann berühren? Aus meiner aktiven Aquarianerzeit wußte ich, daß die Heizstäbe unter Wasser recht heiß werden, aber wurden die technisch heute auch noch so gebaut? Wieder zum Zooladen ... es gibt heute sehr kurze Regelheizer. Als Hitzeschutz für diese Heizstäbe gibt es eine Art Korb, in den die Heizung hinein geschoben wird. So können sich die Tiere nicht verletzen ... prima, gekauft.

Der nächste Schritt war die Planung des Berges, von dem aus ein kleiner Bachlauf zum Wasserteil führen sollte. Zu wuchtig sollte der Berg  nicht werden, denn es sollte viel Platz für Pflanzen und Klettermöglichkeiten für die Tiere verbleiben. Ich beschloss, den Berg max. 80cm hoch (mögl. weniger) zu bauen und ihn in die rechte hintere Ecke zu platzieren. Der Kern würde aus Styropor-Platten entstehen, verbunden mit PU-Schaum. Dadurch erhält man auch gleich gute, abgerundete Formen für die Übergänge vom Bodenbereich zum Berg. Wie dieser Berg dann am Ende aussehen würde, konnte ich nicht planen, da mir die besten Ideen immer erst direkt beim Bau kommen. Aber der Platz stand jetzt fest und ein vorläufiger Verlauf des Baches war auch klar. In die Wände des Terrariums wollte ich gleich von vornherein einige Blumentöpfe einlassen und auch einige Äste dort verankern, die später u.a. zur Auflage der Kletteräste dienen sollten. Außerdem wollte ich gern mindestens einen Epiphytenast einbauen. Dafür soll ein dickes Bambusrohr aufgebohrt werden, aber dazu später mehr. Auf jeden Fall sollte auch das Bambusrohr gleich in die Grundkonstruktion des Terrariums eingebaut werden. Schon hatte ich wieder Dinge, die ich besorgen mußte: die Blumentöpfe und das Bambusrohr. 

Damit das Terrarium nicht auf dem Boden steht, besorgten wir eine Holzplatte und sechs Rollen. Die Rollen wurden untergeschraubt und das Terrarium auf der Platte zusammengesetzt. Das Ganze ist leicht rollbar und somit kann man das große Becken auch später ohne große Mühen bewegen.

bau2 Nun ging es an die Arbeit. Als erstes leimte ich die Rückwand zusammen. 120x120cm hört sich nicht schlimm an, aber wenn so eine Platte vor einem steht, ist die ganz schön riesig!
die Rückwand wurde auf die hintere bodenplatte gesetzt und die Seitenwände eingepasst. Hier erfolgte auch gleich die erste Änderung meiner Planung. Ich wollte ein Innenmaß von ca. 90cm. Da die Plattenstärke bereits 40mm betrug, entschloss ich mich, die Wände auf 90cm Länge zuzuschneiden. 
bau4
Somit ergab sich ein Innenmaß von 86cm, mit dem ich leben konnte. Bei dem Aufbau erwiesen Nut und Feder der Platten als sehr nützlich. Die Montage war sehr einfach und blitzschnell stand der erste Teil meines neues Terrariums.
Die vordere Bodenplatte ließ ich genauso wir die Abdeckung noch weg, um besser im hinteren Bereich arbeiten zu können. Diese Platten sollten später eingesetzt werden. - Jetzt ließ ich alles eine Nacht zum Trocknen stehen.
bau3

Wie in der Planung vorgesehen, machte ich mit jetzt Gedanken über die Konstruktion von Berg und Wasserteil. Gedacht hatte ich an Styropor und PU-Schaum. Den Schaum konnte ich vergessen, da ich die Grundkonstruktion des Terrariums nicht mehr hätte aus dem Raum transportieren können (Tür zu schmal, Fenster zu klein). Da wir giftige Stoffe grundsätzlich nicht im Haus verarbeiten, war der Schaum also für dieses Terrarium gestorben.

Fundament Berg Eine neue Idee mußte her ... ich sammelte einige Styro-Verpackungsreste zusammen und wollte die verwenden. Da das gesamte Gebilde später mit Fliesenkleber bezogen werden würde, war die Beschaffenheit des Styropor unwichtig.  Auf mögliche Ausdünstungen des Materials mußte ich nicht achten.
Der Teich wurde aus einer normalen, 5mm starken Styro-Platte zugesägt. Er sollte in etwa eine Höhe von 15cm bekommen, also benötigte ich drei Schichten des dicken Styropors. 

Bauteile Teich

Die Formen wurden nur grob erstellt, denn die Feinheiten sollten später eingearbeitet werden.  Die unteren Elemente des Berges und des Wasserteils wurden dann eingeklebt.

Einfüllöcher Da die Bergkonstruktion hohl war, dachte ich mir, es würde später sicher auch entsprechend hohl klingen, wenn die Tiere über diesen Berg laufen würden ... Da ich genügend Perlite im Hause hatte (Dämmstoff, den wir auch zum Inkubieren von Gelegen nutzen), sollte damit der Hohlraum ausgefüllt werden.
Zu diesem Zweck sägte ich einige Löcher in die Oberseiten der Styroporteile und schüttete hier das Perlite hinein. Natürlich war das viel aufwendiger als gedacht, aber es erfüllte seinen Zweck. Beim Gegenklopfen an die Wände war kein hohler Ton mehr zu hören ... Später füllte ich sämtliche Hohlräume, die sich irgendwo ergeben sollten, mit Perlite auf. Das war zwar zum Teil etwas mühsam, aber ich erhoffte mir doch eine gute Schalldämmung von dieser Füllung.
Uferform Nun wurden die Konturen des Wasserteils mit der Heißluftpistole etwas vorgeformt. Dabei nicht vergessen, das Fenster weit zu öffnen, denn es entsteht ein übler Geruch, der nicht gerade gesund ist.

Für den Wasserlauf schmolz ich ebenfalls mittels Heißluftpistole eine Art Verlauf in ein Stück 50mm-Styropor. Diese Methode ist recht praktisch und man kann recht ansehnliche Verformungen erreichen.
Aus diesem Bachteil sollten später einzelne Stücke herausgesägt werden, je nachdem, was gebraucht werden würde.

Bachlauf
vor Anstrich

Foto rechts: Konstruktion vor dem ersten Anstrich mit Fliesenkleber

Foto links: der Anfang des Baches ist fertig und aller erhielt den ersten Anstrich mit dem Fliesenkleber. Die Wasserversorgung des Baches mußte ebenfalls bereits eingebaut werden. Da der dicke Schlauch recht unflexibel ist, geht es hier mal wieder in kleinen Schritten weiter, denn die einzelnen Verkleidungen müssen immer erst gut trocknen, bevor es weitergehen kann.

erster Anstrich

Jetzt wurde das vordere Bodenteil eingesetzt. Dadurch wird die Arbeit zwar etwas schwieriger, aber ohne Boden wäre der Teich nicht zu bauen. Die Teile für die Abdeckung und die vorderen Blenden (oben und unten) werden erst später eingesetzt.

Rückwand

Teich Ausbau
Die Rückwand wurde weiter verkleidet
und der Wasserzulauf kaschiert
Der Teich ist noch immer nicht trocken
(die Ecke oben rechts soll später bepflanzt werden)
Nochmal ein größerer Ausschnitt
(oben links habe ich den Fugenmörtel getestet)

Das gesamte Bauwerk muß weiter trocknen bevor die Arbeit weitergehen kann. Am nächsten Tag war der Teich soweit trocken, daß die Folie eingelegt werden konnte. Die Folie soll zur Sicherheit sein, falls sich mit der Zeit irgendwo ein Riss bilden sollte.

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