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Cordylus - Gürtelschweif


Familie: Kriechtiere Reptilia
Ordnung: Schuppenkriechtiere Squamata
Unterordnung: Echsen Sauria
Zwischenordnung: Gürtelschweife Cordylidae

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Cordylus  - Tanzania-Gürtelschweif oder Zwerggürtelschweif

cordy_m Gürtelschweife kommen nur in den südlichen Ländern Afrikas vor (mündl. Mitteilung H. Werning). - Die von mir gepflegten Gürtelschweife bewohnen Teile Tanzanias. Sie leben hier in mäßig bewachsenen Zonen, bevorzug in und unter abgestorbenen Baumstümpfen (bevorzugt Aloe) und in Felsspalten und Steinhalden.
Die Echsen erreichen eine Körperlänge um 81mm, meist werden sie um 75mm groß, der Schwanz entspricht in etwa der gleichen Länge. Cordylus hat einen abgerundeten Körper und einen dreieckigen, abgeflachten Kopf. Die Körperfarbe ist rötlich-braun bis zu mahagoni-farben mit kräftigen Kielschuppen. Die Bauchunterseite ist glatt und heller, meist schmutziggelb bis braun.
Der Schwanz trägt kräftige, in Windungen angeordnete und abstehende Schuppen, die den Tieren den Namen gaben.
Männchen


Nahrung: Gürtelschweife ernähren sich von aller Art Wirbellosen (Insekten, Würmer, Käfer), so ist eine Ernährung im Terrarium nicht problematisch.
Fortpflanzung: Die Geschlechtsmerkmale sind gut zu erkennen. Die Männchen haben an jedem Oberschenkel 4-6 große, warzenähnliche Preanalporen. Bei den Weibchen findet man diese Poren kaum ausgebildet vor. Gürtelschweife sind lebendgebärende Echsen. Der Tasmanische Gürtelschweif bringt in seiner Heimat im Spätsommer (Februar/März) 1-3 Junge zur Welt.

Haltung im Terrarium: Die Tiere gelten als zurückhaltend und scheu. Sie benötigen daher ein Terrarium, das ihnen genügend Rückzugsmöglichkeiten bietet. Es sollten Höhlen aus Korkrinde und auch Steinaufbauten vorhanden sein (Steine sichern, Einsturzgefahr!). An Grundfläche benötigen sie kein Riesenterrarium. Mit 80x50cm werden die Größen in der Literatur angegeben. Unser Terrarium hat eine Grundfläche von 90x60 cm für drei Tiere.

terri links terri Mitte terri rechts
Ansicht linke Seite Ansicht Mitte Ansicht rechte Seite

Wie man sehen kann, sind Steinaufbauten vorhanden. Die Seiten- und Rückwände bestehen aus Styroporplatten, die mit Fliesenkleber überzogen wurden. Die größeren Kieselsteine sind ebenfalls in Fliesenkleber verlegt, so daß sie nicht verrutschen können. Die Korkäste dienen zum klettern, sonnen. Da diese Äste fast alle hohl sind, bieten sich auch hier gute Versteckmöglichkeiten. Das Grüne ist ein Grasbüschel, der bei uns in einem Lehmhaufen wuchs. 
Die verbleibende Grundfläche des Terrariums ist mit Sand ausgestattet. In der Mitte unter der größeren Sandfläche befindet sich eine Heizmatte, die u.U. im Winter zugeschaltet werden muß, da das Terrarium auf dem Boden steht und vielleicht zu alt werden könnte. Zur Zeit wird das Becken durch zwei Leuchtstoffrühren geheizt. Die Temperaturen liegen um 28°C. Zusätzlich zu diesen Tageslichtlampen ist eine dritte Leuchte montiert, die das nötige UV-Licht bietet.
Der Wassernapf befindet sich gleich vorn an der Frontseite, damit die Tiere beim täglichen Wasserwechsel möglichst nicht gestört werden.

cordy_weib Geschlechter: Ich konnte nicht widerstehen und habe drei (1.2) dieser schönen und bizarren Tiere erworben. Die Geschlechter sind im Vergleich mehrerer Tiere wirklich recht einfach zu erkennen. Es fiel uns auf, daß die Gürtelschweife beim Aufnehmen eine wasserähnliche Flüssigkeit ausscheiden. Ob es sich hierbei um einen Stoff handelt, zur Abwehr von Feinden, ist uns nicht klar. Zumindest haben wir festgestellt, daß diese Flüßigkeit weder in irgend einer Weise riecht noch ätzend oder hautreizend ist (wenigstens für den Menschen nicht erkennbar). Auf dem Foto (links) sieht man recht gut, daß der Schwanz richtig nass ist.
Aber zurück zum Terrarium: Es befindet sich auf dem beschriebenen Lehm eine dünne Schicht Mutterboden, in der eine größere Menge Ameisen wohnte. - Die Gürtelschweife sollen gern Ameisen fressen. Ich ließ die Erde deshalb so, wie sie war und baute das alles im Terrarium ein. Der kleine Hügel wurde mit Kieseln vor dem zu schnellen Austrocknen geschützt.
Da ich meine Cordylus mit einigen kleinen Häutungsresten übernommen habe,  wird nun der Lehmhügel täglich sparsam eingesprüht. So bildet sich ein leicht feuchtes Klima. Ich warte ich jetzt die nächste Häutung ab. Gibt es hiernach keine Probleme, werde ich voraussichtlich nur noch 1-2 mal die Woche besprühen, um die Tiere keiner zu hohen Luftfeuchtigkeit auszusetzen.
Weibchen, die Preanalporen sind klein
Auf dem zweiten Bild (rechts) sieht man die Poren nochmals recht deutlich. Auch die flachen Bauchschuppen sind gut zu erkennen. Der Vergleich zu dem Männchen folgt. Er war nach dem Umsetzen etwas scheu und soll sich erst einmal einleben. Dann wird er sicher zum Fototermin erschienen ...

Auf beiden Bildern ist die ringförmige Anordnung der Schwanzschuppen deutlich zu erkennen. Sie ziehen sich wie Gürtel um den Schwanz. Außerdem ist die Rückenzeichnung auch nicht einfarbig, wie ich zunächst annahm. Die Tiere sind jetzt immer häufiger auch zum Sonnen draußen und man sieht, daß sie gebändert sind. Es sind Streifen zu sehen, die etwas dunkler als die Grundfarbe sind. Der deutsche Name besteht also durchaus zu Recht.

An Futter bekommen die Gürtelschweife zur Zeit Heimchen und Grillen. Die Echsen sind äußerst geschickte Jäger! Mir fielen einige Besonderheiten im Jagdverhalten auf: ein erspähtes Insekt wird zunächst versucht, im Sprung zu erbeuten. Meist gelingt das sehr gut. Entwischt das Insekt, so zieht sich der Gürtelschweif auf einen erhöhten Punkt zurück. Von dort beobachtet er die Gegend, wo das Insekt versteckt ist. Sobald sich etwas bewegt, ist die Echse wieder dort. 

cordy_weib
... das gleiche Weibchen nochmals ...

Bleibt das Insekt regungslos, wird eine Zeit lang gewartet, dann läuft der Gürtelschweif wieder zu dem Insektenversteck. Er beginnt aber nicht, dort zu wühlen oder zu graben sondern er wartet geduldig ab, bis sich das Insekt zeigt.
Eine weitere Besonderheit: kurz bevor die Gürtelschweife ihr Futter erbeuten schlagen sie aufgeregt mit der Schwanzspitze hin und her. Sie gehen dabei aber nicht in Lauerstellung.

 

codylus 01.10.00 Erfahrungen: Gürtelschweife sind extrem gute Kletterer. Das sollte ich auch gleich am ersten Tag erfahren. Das Terrarium war einmal doppelt so groß und besaß im Urzustand eine Trennwand. Diese Trennwand ist inzwischen wieder eingesetzt und somit sind zwei Terrarien nebeneinander entstanden. Für das gesamte Becken wurden zwei Lampen eingebaut, die sich über die Gesamtlänge der Terrarien erstrecken. Um die Leuchten bei einem evtl. Defekt wechseln zu können, wollte ich den Zwischenraum zwischen Röhren und Trennwand belassen. Und nun kommt's. Das zweite Becken soll ebenfalls neu hergerichtet werden und war zunächst leer. Abends verschloss ich gewohnheitsmäßig die Terrarientüren (zum Glück). 
Nun sind die Tiere drei Wochen hier und haben viel der anfänglichen Scheu verloren. Am nächsten Morgen schaute ich ins Becken der Gürtelschweife, kein Tier zu sehen. Zufällig fiel mein Blick auch in das andere Terrarium, da saßen sie dann alle drei. Ich traute meinen Augen kaum. Nach einigem Überlegen, wie die Tiere dort hingekommen sein könnten, fiel mir der Spalt bei den Lampen ein. Sie waren an der Wand entlang geklettert und durch den Spalt geschlüpft.
Auf der anderen Seite müssen sie entweder herunter gesprungen sein, oder sie sind dort an der Rückwand (Holzplatte) abgestiegen. Zumindest  war der Lampenübergang die einzige Möglichkeit, alles andere war abgedichtet. Ich setzte die Tiere zurück, dann überlegten wir, wie wir den Fluchtweg schließen könnten, ohne die Möglichkeit des Lampenwechsels aufzugeben. Die Lösung war Schaumstoff, der zum Abdichten verwendet werden sollte. Das machte ich dann auch, nachdem ich die kleinen Kerlchen erneut zurückgesetzt hatte. - Nun bleiben sie in ihrem Terrarium, laufen aber des Öfteren an den mit Fliesenkleber dekorierten, rauen Wänden entlang. 

 

- Fortsetzung folgt -

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© R. Kohlmeyer 1999/2000

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