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Steppenwaran - Varanus exanthematicus


(zum Vergrößern bitte jeweils mit der Maus auf die Bilder klicken)

Steppenwarane sind in Afrika beheimatet, genauer von Senegal über Eritrea bis nach Zaire. Das Verbreitungsgebiet wird im Norden durch die Sahara und im Süden durch die Regenwaldgebiete begrenzt. Sie leben in kargen Regionen in Erdhöhlen, in baumreichen Gebieten hingegen sind sie auf Bäumen und in Baumhöhlen zu finden. Da diese Warane in der Natur recht scheu sind, findet man sie selten bis nie in der Nähe menschlicher Siedlungen.
Die Größe wird mit bis zu 130cm Gesamtlänge angegeben, bei einem Gewicht von ca. 1,5 kg. Ausgewachsene Weibchen sind kleiner, aber kräftiger als die Männchen. - Im Terrarium neigen die Steppenwarane leicht zum Verfetten. Man muß daher bei den Fütterungen immer Maß halten. Die Nahrung besteht in der Hauptsache aus Insekten, bevorzugt aus Wanderheuschrecken, Käfern und deren Larven, Schmetterlingen, Bienen und Wespen. Skorpione, Schnecken und Agameneier stehen ebenfalls auf dem heimatlichen Speiseplan. Bei Steppenwaranen, die in Küstennähe leben, fand man auch Krabben in den Mägen untersuchter Tiere.

Steppenwaran Unser erster Steppenwaran ist ein in Deutschland geborenes Tier. Er war bei der Ankunft gerade in der Häutung und sah dadurch ein wenig wild aus. 
Zunächst bezog er eine Art Quarantäne-Terrarium mit überschaubarer Größe und einfacher Einrichtung. Um ihm das Laufen zu erleichtern, bekam er Buchenspäne in sein Terrarium, kein Zeitungspapier, wie sonst während der Quarantäne üblich. 
Als Unterschlupf gab es eine dicke Pappröhre, ein großes Korkstück und ein großes Versteck aus Holz. Zum Klettern oder sonnen brachten wir einige größere Steine ins Terrarium.
Ein Wassernapf war selbstverständlich auch vorhanden.

 

Waran

Die Temperaturen im Waran-Terrarium lagen im Bereich zwischen 23 und 31°C, unter dem Strahler war es etwas wärmer. 
Die Luftfeuchtigkeit wurde durch ein größeres Wasserbecken und tägliches Sprühen geboten. Besonders während der ersten Zeit sprühten wir öfter, da der Waran (wie erwähnt) in der Häutung steckte. Das direkte Ansprühen mit Wasser mochte der Waran überhaupt nicht. Wir achteten also immer darauf, daß er nie direkt die Wassertropfen abbekam.

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wawa Auf diesen ersten Fotos ist der junge Waran damit beschäftigt, seine neue Umgebung zu erkunden. Jeder Winkel des Terrariums wird genau untersucht. - Auf dem Bild hier rechts war er damit beschäftigt zu erkunden, wie man wohl die Terrarientür öffnen könnte. Obwohl die großen Glastüren ein entsprechendes Gewicht haben, war deutlich zu sehen, daß der Waran diese ohne viel Mühen würde öffnen können. So war der nächste Schritt klar: es wurde schnell ein Terrarienschloß angebracht. wawa5

Fütterung: Jungtiere wachsen schnell und benötigen daher entsprechend häufig Futter. Zunächst bekam der junge Waran täglich einige große Grillen. In unbeobachteten Momenten holte er sich die Insekten blitzschnell und verschwand anschließend wieder in seinem Holzunterschlupf. Auch mittelgroße Mäuse verputzte er in großer Geschwindigkeit. Es gab also in diesem Punkt keinerlei Probleme.
Das täglich frisches Trinkwasser angeboten wird, ist selbstverständlich.

Erfahrungen: während der ersten Wochen ist Wawa, der Steppenwaran, noch recht scheu. Er beobachtet die Umgebung vorsichtig aus seinem Versteck heraus. Erst allmählich gewinnt er Vertrauen, daß ihm nichts passiert. Er lernt sehr schnell, daß durch die Glastüren Futter kommt. Sobald man den Schlüssel in das Schloss steckt, ist er zur Stelle. Es ist immer etwas Eile geboten, die Hände wieder in Sicherheit zu bringen, denn zunächst haben wir kein Interesse an einem Biss ... Bald nimmt Wawa auch große Mäuse. Er frißt gut, aber er wirkt immer hungrig. Wir müssen uns daher bemühen, ihn nicht zu überfüttern.

wawa6_0708.jpg (36683 Byte) Der Waran wächst gut heran. Eines Tages nehmen wir ihn zu einer Hautkontrolle aus dem Terrarium. Wie man sieht ist es angebracht, feste Handschuhe zu tragen (Beim Zurücksetzen ins Terrarium schnappte er zu und durchtrennte mühelos den oberen Bund eines Handschuhs). 
Der Waran war erregt, dabei stülpte er seine Hemipenes aus (später erfuhren wir, daß Steppenwarane äußerst selten evertieren). Das Geschlecht war nun ganz sicher:  ein Männchen.

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Da wir unsere Reptilien auch nachzüchten möchten, begann die gezielte Suche nach einem Weibchen. Der Waran war nun etwa 60cm lang und es wurde Zeit, an eine Partnerin zu denken, um eine Vergesellschaftung in der Jugend noch zu erreichen. Die Suche war nicht einfach, da es kaum Weibchen zu geben scheint. Wir wurden nach einigen Wochen fündig. Das Weibchen war zwar etwas größer als unser Männchen, wir wagten den Kauf aber dennoch. 
Da das Weibchen frisch entwurmt war, bezogen die beiden Steppenwarane ein gemeinsames Terrarium, ausgestattet mit einem Sand-/ Lehmgemisch, mit Steinhöhle und -aufbauten, einem sehr großen Ast (fast Baum) und einem weiteren Versteck aus Kork. Bei der Gestaltung wurde mir schnell klar, daß es nicht einfach ist, ein Terrarium für so große Tiere einzurichten ...
Dann kam der große Moment. Wir waren gespannt, was passieren würde - es passierte zunächst nichts besonderes. Die Warane sahen sich an, sahen das Terrarium an und machten keinerlei Anstalten zu irgendwelchen Feindseligkeiten. Der erste Schritt war gewonnen! Die erste Nacht stand bevor und in regelmäßigen Abständen schauten wir nach, ob weiterhin Frieden im Terrarium herrschte.

Die Warane Frieden herrschte ... aber was war das nun?
Für den Fall, daß sich die beiden Warane nicht vertragen könnten, stand ein zweites Terrarium bereit ... nun kam alles ganz anders!

Das kleinere Männchen befand sich eindeutig in Paarungsstellung und das Weibchen ließ es willig geschehen.
Die Warane paarten sich! Eindeutig zu sehen ... 

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waran06.jpg (70232 Byte) Wir waren fassungslos ... und sofort wurden alle vorhandenen Bücher geholt. Wie zu erwarten, fand sich in der Literatur nichts zu diesem Thema. 

Waren die Warane nicht noch zu jung? Die Steppenwarane waren beide etwa zwei Jahre alt: Das Männchen war sicher einen oder zwei  Monate jünger als das Weibchen, aber beide waren aus 1999, also etwas über zwei Jahre alt.  

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Es war ja auch nicht sicher, daß die Verpaarung überhaupt zu einer Befruchtung eines Geleges führen würde. Also Ruhe bewahren und abwarten ... Nachzuchten wollten wir ja gern, aber so früh denn doch nicht ... Nach Literatur-Angaben sollten die Weibchen der Steppenwarane wenigstens 500g wiegen, wenn sie ein Gelege entwickeln. Unser Weibchen hatte bestimmt 2.000g, also von daher war sie reif. Allerdings war sie für meinen Geschmack etwas dick und ob das wieder für eine Trächtigkeit gut sein würde?

Zu ändern war nun eh nichts mehr. Wir passten einige Stunden auf, falls in dieser Nacht doch noch etwas Negatives passierte. Aber soweit kam es nicht. Die Echsen lagen während der kommenden Stunden friedlich aufeinander. Erst am nächsten Vormittag trennten sie sich.

Während der nächsten Tage freuten wir uns, daß sich das Pärchen anscheinend prächtig verstand. Sie waren gemeinsam aktiv und hatten ihre gemeinsamen Ruhezeiten. Während des Tages hielten sie sich häufig dösend im Freien auf, in den Nächten zogen sie sich in die Steinhöhle zurück. Das Weibchen war vom Verhalten her wesentlich ruhiger als das Männchen. Sie fauchte zwar immer, wenn man an das Terrarium trat, aber damit war auch alles an Aggression verspielt. Sie ließ sich auch anfassen und aus dem Terrarium nehmen.
Eine positive Entwicklung kam schnell dazu: das Männchen, bisher ein wilder Geselle beim fressen, schaute sich vom Weibchen ab, daß es auch anders geht. Sie nahm willig die Heuschrecken von der Pinzette, was sich das Männchen aus Distanz anschaute. Dann traute auch er sich und nahm die Insekten sehr behutsam von der Pinzette. - Alles lief harmonisch.

- Fortsetzung hier -

 

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© R. Kohlmeyer 1999 - 2004

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