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Mein Freund Hannibal


Ich hatte einen wunderschönen grünen Leguan: "Hannibal". Ich bekam ihn als Jungtier (etwa 40cm) groß, als besonders ausgefallenes Geburtstagsgeschenk. Ich hatte viel über diese Tiere gelesen, aber nie solch ein Tier besessen und versuchte nun, alle Informationen die ich erhalten konnte, umzusetzen. 

 

Hannibal Mit einer Körpergröße von etwa 90cm begann Hannibal hin und wieder, mit seinen Gliedmaßen zu zittern und ich brachte ihn erst mal zum Tierarzt! "Reptilienexperte" (tssss) ... der stellte einen leichten rachitischen Zustand Hannibals fest (sowas Dummes aber auch, ich dachte immer alles richtig zu machen! Aber ich schob eine dünne Glasscheibe (siehe Foto) zwischen Strahler und Tier, da er sich daran verbrennen könnte und entzog ihm damit wichtig UV-Strahlen) und schlug eine Behandlung mit Ringerlösung und Bestrahlung vor ... 
Das Tier blieb eine Woche unter Obhut des Tierarztes und ich ging Hannibal jeden 2.Tag besuchen (ich bin allein erziehende Mutter von 4 kleinen Kindern) ...


Am 6. Behandlungstag wollte ich Hannibal erneut besuchen und mit dem Tierarzt sprechen, wie sonst auch. Die Schwester machte einen erregten Eindruck und rief sofort als ich erschien den Tierarzt.
Im Behandlungszimmer brachten sie mir Hannibal und ich konnte nicht glauben was mit dem armen Vieh geschehen war ... er war von gelbgrauer Farbe, völlig apathisch ... und was verdammt nochmal war mit seiner Kehlwamme passiert? Sie hatten ihn verbrannt ! Irgendwer hatte den UV-Hochdruck-Strahler auf ihn gerichtet und dann das Tier vergessen, einfach vergessen ... der Tierarzt zuckte nur mit den Schultern, präsentierte die Blutwerte des Tieres mit den Worten "Wir müssen umgehend operieren, sonst stirbt das Tier"............. 

Völlig schockiert, vor Wut und Schmerz weinend, verlies ich die Praxis ... ließ das Tier vorerst dort ..... Es gelang mir, Kontakt zu Gunther Köhler zu bekommen, einem der ganz großen Experten. Er hörte sich alles geduldig an. Ich faxte ihm die Blutwerte, und er kam schließlich zu dem Entschluss..."Das Tier muss sofort zurück in sein Terrarium, auf gar keinen Fall operieren!" ... Hannibal würde in seinem Zustand die Narkose nicht überleben. Er gab mir noch einige Tipps mit auf den Weg und blieb mit mir in den nächsten Tagen in Kontakt.

Sofort fuhr ich in die Tierklinik und forderte die umgehende die Herausgabe des Tieres! Darauf kam eine dreiste Forderung von 680.- DM Behandlungskosten - bevor das Tier herausgegeben werden könne ... Ich bin eher ein ruhiger Mensch, aber was zu viel ist, ist zu viel !!! ... Unter Androhung rechtlicher Schritte wegen massiver Tierquälerei, einer Beschwerde beim Verband deutscher Tierärzte mit Untersagungsmaßnahmen des Titels "Spezialist für Reptilien" sowie eine Story in der größten Berliner Tageszeitung, erhielt ich ohne Augenzwinkern Hannibal zurück.
Eine schnell gebastelte Transportbox (ein mit Laken ausgeschlagener Pappkarton mit Babywärmflasche) erfüllte ihren Zweck.
Gott, was haben sie dir nur angetan? Das arme Kerlchen war dem Sterben nahe ... zu schwach den Kopf zu heben ... die Kehlwamme, der Kopf und ein kleiner Teil des rechten Beines verbrannt - vertrocknet - tot!!
Drei Tage lang versuchte ich ihn immer und immer wieder zu füttern ... bot ihm alles an.....nichts......am vierten Tag badete ich ihn vorsichtig und versuchte ihn wenigsten zum Trinken zu bewegen ... wieder nichts ... ich redete ihm ständig zu ... nichts ...! Abends (er hatte ein kleines "Planschbecken" als größeren Wassernapf) bot ich ihm wieder etwas Lebendfutter, Salat, geriebene Möhren ... alles mögliche an und bekam wieder einmal keine Reaktion ... ich führte ihn zu seinem Wasserplatz und redete nun ein ernstes Wort mit ihm ... drückte seinen Kopf für etwa 3 Sekunden unters  Wasser ... und das war es! Er begann wie selbstverständlich  Wasser zu trinken ... und nahm mir schließlich auch noch eine winzig kleine Wachsmade ab!!!
In den nächsten Tagen bekam er immer häufiger Appetit und fing langsam wieder an zu fressen. Er wurde von Tag zu Tag kräftiger und verlor schließlich nach drei Wochen die verbrannte Kehlwamme und häutete sich mehrmals. Er gesundete völlig! Wir hatten zwar anfänglich einige Verständigungsschwierigkeiten aufgrund der fehlenden Kehlwamme, aber das bekamen wir schnell in den Griff.
 

Hannibal lebte noch 2 weitere Jahre in meiner Familie, bis ich mich schweren Herzen letztes Jahr von ihm trennen musste.    

Viele liebe Grüße aus Berlin  
Sandra Jager    


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© R. Kohlmeyer  2001 -2004

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