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Thamnophis proximus proximus 

Westliche Bändernatter


 

(Die Fotos dieser Seite sind per Mausklick in Vergrößerung zu sehen.)

18.05.01 Thamnophis proximus proximus (Westliche Bändernatter) lebt im Gebiet von Indiana, W-Kansas bis zum östlichen Texas. Diese Art lebt vorwiegend in buschigem Gelände, in der Nähe von Gewässern. Die westliche Bändernatter ist sowohl tag- als auch nachtaktiv. Sie gilt als guter Kletterer, der sich bei Gefahr sofort ins Wasser fallen läßt und abtaucht oder im Gebüsch verschwindet.
Die Proximus-Arten zeichnen sich durch sehr lange Schwänze aus. Sie machen über 27% der Körperlänge aus. Th.p. proximus ist nicht so auffällig gefärbt wie ihre Artgenossen. Der Rückenstreifen kann von oliv bis gelb variieren.  Die Körperlänge adulter Tiere wird mit 60-90 cm angegeben. - Zur Winterruhe sucht diese Natter ab Oktober gern große Steine auf, unter denen sie sich bis März/April verkriecht.

Im Frühjahr 2001 bekam ich meine erste Thamnophis p. proximus. Es ist ein adultes Weibchen, daß recht schön gezeichnet ist. Dieses Tier war im Ganzen recht kräftig gebaut, was eine Trächtigkeit vermuten ließ. Es waren aber keine Embryonen zu ertasten. Sie ist nur ein wenig kräftiger als andere.
Zunächst bewohnte sie ein Quarantänebecken. Der Umzug in ihr endgültiges Terrarium verzögerte sich, da ich das Glück hatte, noch zwei weitere Bändernattern dieser Art zu erstehen. Auch die zwei Neuzugänge bezogen zunächst ein Quarantänebecken.
Erst wenn alle Tiere unauffällig sind, werden sie in ein eingerichtetes Terrarium umgesetzt, frühestens aber nach sechs Wochen.

Portrait

 

proxiWeib am 0207 Zucht: Thamnophis sind lebendgebärende Schlangen. Die Paarung erfolgt im Frühjahr. In den Sommermonaten werden bis 8-27 Jungtiere geboren. - Das Weibchen (Foto links) überraschte mich am 03. Juli mit 12 Babys. Einen Tag vorher hatte ich sie noch fotografiert, da sie mir nach wie vor trächtig vorkam. Auch hatte sie seit 14 Tagen das Fressen eingestellt. Mit dem aktuellen Foto wollte ich einen Fachmann fragen, wie er den Zustand einschätzen würde. Nun, das hatte sich erledigt. Mehr dazu weiter unten.

Erfahrungen: Das Weibchen war zunächst recht ruhig, so daß ich davon ausging, ein gemütliches Tier zu besitzen. Das änderte sich aber bereits nach wenigen Tagen, so daß sie mir bei den Reinigungsarbeiten beinahe entwischte. Inzwischen arbeite ich mit zwei Boxen, um ihr unnötigen Stress zu ersparen. Die leere, saubere Box wird mit Küchenkrepp ausgelegt, dann kommen das gereinigte Wasserbecken und das Versteck (ein umgedrehter Kunststoff-Blumentopf) hinein, zum Schluß das Tier selbst. Dieser Ablauf hat sich gut bewährt. - Die neuen Nattern waren seit Beginn scheuer und ein wenig hektisch. Auch für diese Schlangen verwende ich zwei Boxen wie beschrieben.
Das Weibchen ist überwiegend tagaktiv. Sie liegt dann gern auf dem Versteck-Blumentopf und döst vor sich hin. - Die zwei Neuzugänge konnte ich bisher häufiger während der Abend- und Nachtstunden beobachten. Allerdings wohnen diese zwei auch erst kurz hier, so daß man das Verhalten noch nicht beurteilen kann.

prprox.jpg Die Fütterungen verlaufen problemlos. Meine Th. p.proximus fressen allerdings alle keine Mäuse, nur Stint. Lebenden Fisch habe ich bisher nicht angeboten, da derzeit kaum Futterfische zu bekommen sind. Bei jeder zweiten Fütterung wird der Stint mit KORVIMIN eingestäubt, damit die Schlangen genügend Vitamine und Mineralstoffe erhalten. Auch das eingestäubte Futter wird ohne Probleme angenommen.

Meine Jungtiere: am 03. Juli 2001 wurden 12 kleine Th. prox. proximus geboren. Oh, war ich stolz, denn es war nicht ganz sicher, ob dieses Weibchen trächtig war oder nicht. - Mein Weibchen befand sich ja noch in einem Quarantäne-Becken. Ich wollte sie jetzt umsetzen, daher hatte ich einen Tag zuvor noch Fotos gemacht, die ein Fachmann begutachten und mir raten sollte. Ich wolle die Schlange nun endlich in ein großes Terrarium umsetzen. 

Babys umgesetzt

Mittags kam ich in den Terrarienraum und schaute, wie immer, in die Becken. Ich denke gerade: "Was ist denn da im Becken? Wo kommt denn da Schmutz her? Was ist denn das?" Da sehe ich, es ist kein Schmutz! Da sitzt eine kleine Schlange und reckt sich in der Ecke des Beckens empor. Nein, das gibt es nicht! Nachwuchs !!! Ich hatte mich nicht getäuscht, meine Schlange war trächtig gewesen und hatte nun 12 kleinen Zwergen das Leben geschenkt. 

Babys am 0307

erste Häutung Babies 03.07. Babies 03.07. Babys 0307
Die erste Häutung erfolgt unmittelbar nach der Geburt. Hier ist es gut zu sehen, wie sich das Köpfchen befreit Kaum auf der Welt, 
schon wird geklettert ...
Ein Baby genießt es, an der beschlagenen Scheibe zu klettern
hier nochmals das bunte Treiben

Die kleinen Schlangen sammle ich nun schnell aus dem Becken der Mutter. Alle sehen gut aus, tote sind nicht zu finden. Ich setze die Tiere in ein bereits vorbereitetes Aufzuchtbecken. Hier sollten zwar andere Jungtiere hinein, aber ich hatte noch kleine Becken frei und konnte später ein weiteres herrichten. Damit sich die Nattern sofort häuten konnten, befeuchtete ich das Küchenkrepp mit warmem Wasser. Das nutzten die Babys auch sofort, um die Haut abzustreifen. - Nun ließ ich die Kleinen erstmal in Ruhe, machte aber natürlich die Fotos. Ach, es ist zu schön, die kleinen Schlangen zu beobachten. Erstaunlich finde ich, wie aktiv sie schon sind. Schlangen, die sich ihren Weg aus einer Eischale bahnen müssen, sind nach dem Schlupf richtig geschafft und wollen schlafen. Diese kleinen Thamnophis sind ganz anders, wie die Fotos zeigen.

Baby am 2. Lebenstag Nach den Angaben aus der Literatur (s.u.) ist es bei den Thamnophis so, daß die schwachen Tiere innerhalb der ersten Lebenstage sterben. Ich hoffe natürlich, daß meine Schätze diese kritische Zeit gut überstehen. Sie sind (bis auf eine) recht groß und kräftig. Zur Veranschaulichung: das Terrarium ist 20cm breit. Alle Tiere, bis auf die eine, sind etwas länger als das Terrarium breit ist. Ich werde die Tiere aber jetzt unter keinen Umständen messen oder wiegen. Jeder Streß wird von ihnen ferngehalten. Lediglich meine neugierigen Blicke und den Fotoapparat müssen sie ertragen ...

Interessant ist die äußere Veränderung der kleinen Nattern. Am 2. Lebenstag war deutlich zu sehen, wie sich die Dorsalstreifen ab Kopf in ein gelb umfärbten. Am 3. Tag fiel auf, daß der weiße Fleck auf dem Kopf veränderte. Nach der Geburt sah er V-förmig aus, jetzt schloss er sich bei einigen der Schlangen bereits zu einem Punkt. 

Das erste Futterangebot erhielten die Schlangen am zweiten Tag, rührten es aber nicht an. Am dritten Tag bereite ich wieder kleine Stücke Stint vor und bot sie auf einem Futterteller an. Zunächst umkreisten sie das Futter, zeigten aber weiter keinerlei Interesse. Ich ließ den Teller im Terrarium und schaute abends, nachdem das Licht erloschen war, nochmals nach der Kinderstube. Siehe da, einige hielten gerade einen Futterbrocken im Maul. Schnell löschte ich das Licht im Raum wieder und ging leise hinaus. Sie fressen! Toll, ich war richtig stolz auf die kleinen Kerlchen.
Am Tag nach der Fütterung wurde das Terrarium gewechselt. Die kleinen Nattern bezogen das frisch eingerichtete Nachbarbecken. Sie erhielten auch neue Kletteräste. Die Einrichtung des ersten Beckens wanderte komplett in den Müll. -
Wie man auf dem Foto sehen kann, ziehen sie sich gleich in die gewohnten Verstecke zurück, ohne in Hektik zu geraten.

07.07.

Dieser Becken-Wechsel hat sich bereits bei Quarantänebecken gut bewährt und ich halte diese Methode am stressfreiesten für die Tiere. Die Schlangen müssen sich nur einmal mit einer etwas veränderten Umbebung und neuen Gerüchen zurechtfinden. 
Leider war über Nacht eines der Jungtiere gestorben. Es lag neben dem Futterteller, ohne irgendwelche äußeren Anzeichen. Wie bereits weiter oben erwähnt, ist es wohl normal, daß einige der Jungtiere in den ersten Tagen versterben können. Also muß ich es hinnehmen und hoffen, daß die anderen elf Zwerge Glück haben. Sie sind alle munter und aufgeweckt. Welche allerdings Futter aufgenommen hat und welche nicht, kann man heute nicht mehr sehen. Sie werden jetzt alle drei Tage Futter bekommen. Ab der dritten oder vierten Fütterung werde ich Vitamine und Mineralstoffe zusetzen. 
Leider sollte es anders kommen. Die kleinen Schlangen fraßen zwar, aber sie verdauten die Nahrung nicht. Es waren weder Urinat noch Kothäufchen zu entdecken. Jeden Tage lagen ein oder zwei der jungen Schlangen tot im Terrarium. Vermutlich waren die Umstände der Trächtigkeit der Mutter nicht glücklich gewesen (Transport, Quarantäne, Entwurmung). Leider überlebte keines der Babies.

Die Mutter-Schlange hat schnell wieder Futter angenommen. Sie blieb jedoch zunächst unter besonderer Beobachtung und bekam immer eine Extraportion Futter, damit sie sich gut von der Trächtigkeit erholen und die anstehende Winterruhe schadenfrei überstehen kann. Sie erholte sich auch sehr schnell von den Geburtsstrapazen.

- Fortsetzung folgt -

 

Literatur zum Thema: 'Strumpfbandnattern' von Martin Hallmen und Jürgen Chlebowy
'Die Strumpfbandnattern' von  Frank Mutschmann
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© R. Kohlmeyer 2000 - 2001

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