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Clowns in Schlangenleder


(Die Fotos dieser Seite sind per Mausklick in Vergrößerung zu sehen.)

 

Hallo Zu meiner großes Freude konnte ich im Sommer zwei Zuchtweibchen Thamnophis sirtalis melanistic übernehmen. Sie gehören zu den Strumpfbandnattern. Leider werden diese Nattern immer noch wenig geschätzt und sehr stiefmütterlich behandelt. Oft raten die Leute diese Arten den Einsteigern, was nicht so korrekt ist, denn die Haltung ist nicht immer einfach. Dazu aber mehr im speziellen Teil über diese Tiere unter 'Thamnophis'. 

Ich möchte hier und jetzt einfach einmal erzählen, wie viel Freude man an Schlangen haben kann. Daher auch der Titel dieser Geschichte, die eigentlich keine ist, sondern das tägliche Leben mit diesen Tieren wiederspiegelt.

Bevor ich diese Schlangen übernahm, hatten beide Junge geworfen. Entsprechend sollten sie körperlich gepflegt und aufgebaut werden. Trächtigkeit und Geburt schwächt die Mütter erheblich. Natürlich bekamen die beiden vom ersten Tag an meine besondere Beachtung und genau das war es wohl auch, was ihnen bis heute so viel Spaß macht. - Ja, ihnen ... mir auch!

Das Terrarium steht in meinem Büro, das aber noch nicht komplett eingerichtet ist, will sagen, ich arbeite dort noch nicht am Schreibtisch sondern richte es noch ein. Ich schaue jeden Tag um die Mittagszeit nach den Tieren. Immer wenn ich komme, sind die Zwei unter ihrer Pflanze und ruhen sich aus. Sobald sie bemerken, daß sich etwas im Raum tut, kommen die schwarzen Nasen hervor. 
Und schon beginnt das Spiel. Während der ersten Tage habe ich mich immer direkt vor das Terrarium gestellt und geschaut, wie es den beiden ging. Sie sind dann jedes mal hervorgekommen und durch das Terrarium geschlängelt. So weit - so gut.

Guten Morgen

Wie erwähnt, ist der Raum noch nicht ganz fertig eingerichtet. Ich habe dort also etwas mehr zu tun, als nur die Tiere zu versorgen ... ich bin dabei, einen der Schränke zusammenzubauen und suche irgendwas, ich glaube es war eine Schraube. Ist aber unwichtig, zumindest drehe ich mich um und schaue in den Raum. Mir gegenüber steht der Schrank mit dem bewussten Terrarium ... was machen meine zwei Ladys?

neugierige Blicke Sie liegen beide ausgestreckt im Terrarium, Hinterleiber noch im Versteck, Vorderkörper angehoben, ganz nach Thamnophis-Art.. Aber die Köpfe! Sie halten sie eng aneinander, abgestützt vorn auf dem Absatz mit dem Lüftungsblech und beobachten mich. Es sah aus, als würden sie ganz angespannt einem Film im Fernsehen folgen ... oder wie unsere Nachbarn, die dauernd am Fenster sitzen, um andere Leute zu beobachten ... Ich mußte herzhaft lachen! 
Schade nur, daß ich in dem Moment keinen Fotoapparat zur Hand hatte. Ich drehte mich wieder um und wandte mich meinen Arbeiten zu. Zwischendurch schaute ich immer wieder zu den Schlangen ... sie lagen unverändert und schauten mir zu. Nun holte ich doch schnell den Apparat. Da rückten Sie dann leider etwas auseinander und die eine wandte sich gerade ab, als das Foto (links) entstand.
Na ja, der Schrank wurde aufgestellt und ich machte gerade eine Kaffeepause. Dabei saß ich zunächst mit dem Rücken zum dem Terrarium. Irgendwie merkte ich, daß sich hinter mit im Becken etwas tat. Die beiden Schwarzen beschäftigten sich damit, im Terrarium hin und her zu wandern. Sie kletterten auf den Ast, sie kletterten auf der Hängepflanze herum! Ich beobachtete sie heimlich aus dem Augenwinkel dabei. Sobald ich mich zu ihnen umdrehte, kamen sie an die Scheibe und schauten mich an. Beachtete ich sie nicht, ging die Kletterei wieder von vorn los. - Es ist wirklich köstlich zu beobachten.

Kommt jemand?

... dann geh ich wieder Wir haben dieses Verhalten jetzt mehrere Tage lang beobachtet und es ist immer das Gleiche. Die Beiden kommen hervor, sobald Leben in dem Raum ist. Beachtet man sie nicht (oder tut zumindest so), führen sie regelrechte Tänze auf. Sie schlängeln von vorn nach hinten, von links nach rechts, durch Wasserbecken, über die Pflanzen, den Ast hinauf, den Ast hinunter ... schaut man zu ihnen ins Becken, kommen sie schnell an die Scheibe.

... huhu

Um zu sehen, ob sich diese Nattern immer so verhalten, testeten wir sie dann zu zweit. Mein Mann und ich setzten uns mit den Rücken zu dem Terrarium in den Raum und unterhielten uns. Und siehe da, die beiden Damen kamen heraus und machten die größten Kunststücke, damit wir sie bemerkten. 
Sobald sich einer von uns umdrehte und ihnen zusah, hörten sie auf, kamen nach vorn und waren ganz still.

Wenn wir den Raum verlassen, dauert es nie lange und die Zwei verschwinden unter ihrer Lieblingspflanze. Auch das haben wir mehrfach ausprobiert. Die Schlangen warten eine Zeit und ziehen sich dann zurück.
Ich bin gewiss niemand, der Tieren irgendwelche menschlichen Verhaltensweisen andichtet, im Gegenteil. Aber bei diesen beiden Nattern war es hart an der Grenze. Das Thamnophis sehr neugierig sind, ist ja bekannt, aber so ein Verhalten hatte ich noch nie beobachtet. Wir haben in der Tat ganze Nachmittage damit zugebracht, dieses Verhalten immer wieder zu beobachten. Bis heute ist es gleich geblieben.

Wer nun denkt, die tun das, weil sie vielleicht Hunger hätten: weit gefehlt. Die beiden Melanistics erhalten derzeit 2-3mal wöchentlich Futter und ihre Späße machen sie (leider) auch am Tag nach der Fütterung, wo sie lieber ruhen und verdauen sollten.
Selbst während der Häutung behalten sie ihre Neugier. Nur die Klettertouren wurden eingestellt. Dafür gehr es häufiger quer durch die Wasserschale. - Wie man auf dem Foto gut sehen kann, ist die Sicht bedingt durch die Augentrübung extrem eingeschränkt. Aber diese beiden Strumpfbandnattern lassen sich nicht davon bremsen. Sie sind ständig präsent. Sie erwecken zwar den Eindruck als würde sie die Häutungsphase nicht stressen, wir bemühen uns aber dennoch, unsere  Aufenthalte in dem Raum auf das Nötigste zu beschränken. Die Tiere sollen so viel Ruhe wie möglich genießen. Nach abgeschlossener Häutung dürfen sie uns dann wieder vorturnen ...

Häutung

 

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© R. Kohlmeyer 2001 - 2004

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